Flut-Katastrophe im Ahrtal – Zukunft wagen

Immer wieder ist zu hören: „Das Tal soll wieder so schön werden, wie es war“. Ja – das Tal soll schön werden. Aber besser wäre ein Denkansatz der heißen würde: „Das Tal soll schöner werden, als es war“. Schließlich waren es ja nicht einfach das Wetter und die Ahr, die für die Zerstörungen im Ahrtal gesorgt haben. Es waren vielmehr die Fehlplanungen und die Fehlentscheidungen der Vergangenheit, ebenso wie eine völlig falsche Einschätzung der Sachlage am Abend der Flut durch die Verantwortlichen, die dafür gesorgt haben, dass ein Starkregen solch eine extreme Flut-Katastrophe auslösen konnte.

Verfehlungen der Vergangenheit

Das Ahrtal zeigte sich eben in vielen Bereichen, die jetzt von der Flut weggeschwemmt wurden, nicht so hoch glänzend, wie jetzt nach der Flut getan wird, sondern vielerorts sogar ziemlich heruntergekommen und durchsetzt von unzähligen auch politisch motivierten Fehlplanungen, die zum Unglück beigetragen haben.

Unübersehbar sind zum Beispiel die Rebflächen, bei denen im Rahmen von Flurbereinigungen in den letzten Jahrzehnten die Weinterrassen durch unorganische steile Abhänge, die weit weniger Niederschläge aufnehmen können und den direkten Weg des Wassers hinunter ins Tal abhalten könnten, ersetzt wurden.

Eher in Erinnerung als noch sichtbar ist die Einfriedung des Flussbettes der Ahr vor allem im Bereich der Orte; so gab es kaum Ausweichmöglichkeiten für größere Wassermengen und die Fließgeschwindigkeit des Wassers konnte sich rasant erhöhen. Auch die Kanalisierung der Zuflüsse der Ahr mittels Rohren und schmalem Bachbett führte zu Engpässen und führte das Wasser teilweise direkt in die Orte hinein; beispielhaft ist hierfür der kleine Seitenkanal der Ahr namens Mühlenteich, der das Wasser direkt in die Altstadt von Ahrweiler oder ins Stadtgebiet von Bad Neuenahr hineinlenkte.

Im Ortsteil Heppingen wurde noch vor kurzem ein bekanntes Überschwemmungsgebiet als Baugebiet ausgewiesen und in Windeseile bebaut. In Bad Bodendorf wie an vielen anderen Plätzen im Ahrtal wurden große Wohnmobil-Stellplätze direkt in den Brückenbereichen ausgewiesen – fatal, wie diese Fahrzeuge aufgestaut an Brücken für Flutwellen sorgten. Altenahr, das war ein eher sterbender Ort mit enormen Leerständen, verklebten Schaufensterscheiben, geschlossenen Gaststätten und Cafè’s, und Relikten der einstigen Sesselbahn, die einmal die touristische Attraktion des Ortes war.

Auch im Weinort Rech war die Situation ähnlich, er lebte alljährlich vor allem noch zum Luciafest etwas mehr auf. Mayschoß bot entlang der Uferstraße bis auf wenige Ausnahmen eine Ansammlung ziemlich heruntergekommener Gebäude und leeren Ladengeschäften, belebt vor allem noch durch die jetzt auch ziemlich geschädigte ausgezeichnete Winzergenossenschaft. Das einstige Vorzeigehotel Lochmühle war schon längst ein sich langsam zur Ruine entwickelndes Bauwerk. Bei Dernau entstand ganz nahe an der Ahr ein kleines Industriegebiet, wenig schön anzusehen.

Viele der kleinen Orte am Fluss waren längst keine Vorzeigeobjekte mehr. Entlang der Uferstraße dominierten geschlossene Gaststätten und Pensionen; halten konnten sich anscheinend vor allem Nail- und Tattoo-Studios und Pizza-Lieferdienste. Viele Hotels entlang der Ahr – Leerstände und auch schon vor der Flut zum Verkauf stehend.

So ein wenig eine Ausnahme – der rege Weinort Dernau, aber hier sind auch die Bewohner schon immer höchst aktiv, egal wie hilf- und konzeptlos diejenigen agieren, die für das Tal insgesamt Verantwortung tragen.

Zukunft für eine neue Politik

Das Denken und Handeln muss sich ändern. Im Ahrtal müsste das heißen, dass eben nicht diejenigen die Zukunft prägen sollten, die das Gestern im Kopf haben. Politiker und Verbandsvertreter, die davon schwärmen, dass das schöne Ahrtal so schön wie früher werden sollte, ohne daran zu denken, was eben auch durch ihr Zutun schon längst nicht mehr schön war, haben in einem solchen Denken nichts verloren und in der Zukunft nichts zu suchen und sollten in dieser auch nichts zu melden haben. Vor allem auch deshalb, weil eben diese Politiker die Flut jetzt auch als schönen Deckmantel für Versäumnisse und Fehlentscheidungen der Vergangenheit nutzen.

Gerne wird jetzt verdrängt, dass das Ahrtal vor der Flut schon voller Strukturprobleme steckte, damals noch sichtbar in mehr oder weniger zerfallenen und vernachlässigten Gebäuden, leeren Ladengeschäften, einfallslosen und kaum an städtischen oder dörflichen Strukturen orientierten Neubauten, nicht zuletzt an mangelnder und wenig innovativer touristischer Infrastruktur.

All die Anzeichen dieser Probleme fast überall im Tal sind weggeschwemmt. Aber einfach nur ein Wiederaufbau – damit sind die Probleme, die vorher schon bestanden, auch nicht gelöst.

Herausforderung: Ein Lebensentwurf für das Ahrtal

Ob das Ahrtal in absehbarer Zeit wieder einmal ein richtig reges, attraktives und vor allem lebenswertes Tal wird, mag man nicht so recht glauben. Aber genau das ist die nicht wenig anspruchsvolle Aufgabe, das zu schaffen. Noch hat man allenthalben zu sehr den Eindruck, es ginge hin auf ein Zurück in die Vergangenheit, mittels Renovierung und Wiederaufbau, eingebaut ein paar Sicherungen gegen Ahrhochwasser, alles flankiert mit einigen Hilfskonstruktionen, die ein wenig nach Fortschritt klingen – wie zum Beispiel die geplanten Tiny Houses als Überbrückungs-Wohnmöglichkeiten, nicht als Versuch eines neuen Wohnens, wie solche Vorhaben vor allem in europäischen Nachbarländern konzipiert werden.

Die politische Verantwortung für das Ahrtal, diese wahrzunehmen und Perspektiven zu entwickeln, das wäre die Herausforderung – es geht darum, einen Lebensentwurf für das Ahrtal zu konzipieren. Die Menschen im Ahrtal müssen das jetzt für sich selbst und ihre Familien leisten, sie müssen ihr Leben neu entwerfen. Die Politik müsste, wenn sie sich wirklich der Herausforderung stellen würde, für das Tal insgesamt und zukunftsorientiert denken. Sie steht in der Pflicht, einen ganzheitlichen, umfassenden Lebensentwurf für das Tal auf den Weg zu bringen – es geht darum, Zukunft zu denken und zu wagen.

Zukunft wagen

Die Zeiten, als das idyllische Tal geradezu ein Touristenmagnet war, Scharen von Touristen vor allem aus dem Ruhrgebiet in unzähligen Reisebussen anlockte, die damals den in seiner Qualität meist eher dürftigen Ahrwein in Mengen tranken, sind längst vorbei. An das einst elegante, mondäne Bad Neuenahr der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts erinnern sowieso nur noch alte Postkartenaufnahmen.

Gerade in einem relativ umgrenzten und geschlossenen Gebiet wie dem Ahrtal könnte aber jetzt bei dem erforderlichen umfangreichen Neuaufbau die Zukunft gewagt werden – aber man hat berechtigten Zweifel, angesichts der Vergangenheit, noch mehr mit Blick auf das konzeptlose Durcheinander, das sich in der Katastrophe zeigte, von fehlenden Warnungen bis zu ziemlich chaotischer Organisation der Aufräum- und Hilfsmaßnahmen, gekrönt durch das Abschieben von Verantwortung durch diejenigen, die vor, während und jetzt nach der Katastrophe Verantwortung tragen müssen hätten.

Einzelne Maßnahmen, wie sie in den vergangenen Jahren immer wieder halbherzig versucht wurden, reichen nicht aus, um das Tal insgesamt zu fördern und beleben – es muss ein ganzheitliches Konzept her, ansonsten versanden wie in Bad Neuenahr die Aktivitäten wie die Versuche mit „Symphonie der Sinne“ oder „Gourmet und Wein“, die nur eine begrenzte Klientel ansprechen können, mehr oder weniger schnell. Selbst die „Uferlichter“, noch eine wirkliche Attraktion, als sie noch entlang des Ufers und in der Stadt stattfanden, sind in begrenztem Umfang im Kurpark nur mehr ein Schatten dessen, was sie einmal waren. Dasselbe Problem zeigen die Weinfeste entlang der Ahr, die je nach Ort und Programm mehr oder weniger klägliche Veranstaltungen mit Alleinunterhalter geworden sind. Einige verstreute Spitzenwinzer in Ahrtal, wenige hochrangige Gastronomiebetriebe, ein Köchetag mit einigen herausragenden Köchen aus dem Tal reichen nicht – vor allem, wenn der Kur- und Thermenbetrieb ebenso wie die Hotellerie im Tal nur noch in wenigen Ansätzen den Charme der Gründerzeit ausstrahlt, eher der Bausünden vergangener Jahrzehnte, teilweise gar eingestellt ist oder der Abbruchbirne zum Opfer fiel. Das alles ging auch ohne Flut.

Würde ein Zukunftskonzept gewagt, müsste eben nicht einfach nur wieder aufgebaut werden – vielmehr müsste ein neuer Entwurf für das Tal auf den Tisch, der die Flut auch als Indiz für die weiter anstehenden Klimaänderungen ernst nimmt.

Vernetzung – und im Fokus der Tourismus

Wird auf eine neue Gestaltung des Tales fokussiert, geht es dann darum, nicht wieder die Talbereiche zu zersiedeln, nicht die direkte Uferbebauung zu fördern, nicht Flurkonzepte in den Weinbergen zu präferieren, die Erdrutsche vorzeichnen, nicht Hochwasserdämme und Befestigungswälle zu erstellen, nicht Straßen zu bauen, die die natürlich gewachsene Landschaft zerschneiden, nicht noch mehr den Individualverkehr zu forcieren.

Es muss darum gehen, die zentrale und lebenswerte Kleinstadt Bad Neuenahr wiederzubeleben, und die kleineren Orte ebenso wie touristische Einrichtungen so zu entwickeln, dass sie in Einklang mit der Natur stehen und im Miteinander Lebensqualität schaffen. Dazu gehört auch, weit mehr wieder dezentrale Strukturen zu fördern und diese zugleich zu vernetzen, was durch ein so enges Tal geradezu vorgegeben ist, ob bei Ladengeschäften, im Bildungssystem, im Tourismus oder auch in der Verwaltung.

Aber all das kann nur greifen und Zukunft sichern, wenn eine Gesamtidee verfolgt wird, übergreifend all die Maßnahmen, die angegangen werden, eine Gesamtidee, die von vielen im Tal getragen werden kann. Unweigerlich wird eine solche Gesamtidee eine touristische Konzeption im Mittelpunkt haben müssen – denn alle anderen Fokussierungen würden dem engen Tal und seinen gewachsenen Strukturen nicht gerecht.

Und diese Gesamtidee muss, soll sie das Ahrtal voranbringen, einen so gut es geht unverwechselbaren Charakter haben, wenig vergleichbar mit anderem, was es so gibt – eben nicht noch einmal einen Wandersteig, ob oben in den Hügeln oder unten am Fluss, auch nicht einen noch so schön ausgebauten Radweg für E-Bikes, auch nicht noch mehr Stellplätze für Wohnmobile. Eigentlich müsste es im Tal heißen, dass die Zukunft bei dem beginnt, was das Tal einmal auszeichnete – ein zutiefst traditionelles Tal, von Familienstrukturen geprägt.

Eine Vision für das Ahrtal

Die Zukunft des Tales könnte eine Reise in die Vergangenheit sein – eine Vergangenheit, von der heute viele romantisierend schwärmen. Das sind eben lebenswerte kleinere Orte im Grünen, die mehr bieten als Schlafplätze, von denen aus Kinder in Kindergärten oder Schulen transportiert und Arbeitsplätze gut erreicht werden können, flankiert von einigen kleineren, mehr städtisch geprägten Orte, die Lebensqualität ausstrahlen und zentrale Funktionen für Versorgung und Kultur bieten, alles eingebettet in eine naturnahe, erlebnisreiche Landschaft, die das idyllische Ahrtal vorhält.

Es geht im Ahrtal noch mehr wie bisher um Dörfer am Fluss, die Dorfcharakter haben, mit einer Infrastruktur, die all das hergibt, was für das alltägliche Leben benötigt wird, ob hinsichtlich der Versorgung oder der Gemeinschaft und Unterhaltung, einschließlich der für das Tal typischen Winzerhöfe. Gemeint ist nicht die Förderung sogenannter Dorfgemeinschaftshäuser, die meist äußerst begrenzt der Gemeinschaft dienen, sondern eine gezielte Unterstützung von Privatinitiativen, die dem Dorfleben dienen, seien es soziale und gemeinnützige oder eben auch eine Backstube oder ein Dorfcafè, die den Dorfcharakter tragen helfen; dazu zählt auch eine Bebauung in den Orten, die ernst nimmt, dass sie am Fluss liegen ebenso wie eine Erschließung der Orte, die den Zugang zu ihnen eröffnet, nicht durch sie hindurch lenkt oder gar an ihnen vorbei führt.

Es geht dann um einige in der Struktur noch ziemlich mittelalterlich geprägte Ort, der in ihrem Kernbereich ihre Vergangenheit, aber ebenso auch wieder Alltagsleben ausstrahlen müssen – eine Lebens- und Aufenthaltsqualität für die Bewohner ebenso wie für Besucher, nicht eine Fixierung auf kurzfristigen touristischen Bedarf, veranschaulicht durch die vielen Billig- und Touristenshops, die nur dann ihre Berechtigung haben sollten, wenn sie Bezug zur Region haben.

Es geht auch um eine Kurstadt, die sich nicht auf eine Ansammlung mehr oder weniger schöner neuer und alter Bauwerke und einen nicht sonderlich attraktiven Kurbereich mit Spielcasino auf dem Niveau einer Kleinstadtspielhalle reduzieren darf, sondern eben etwas mehr mondän den Charakter einer Kurstadt darstellen sollte.

Im Tourismus muss es unweigerlich um eine enge Vernetzung gehen, die große und kleine Anbieter so einbezieht, dass sie sich gegenseitig stützen können – aber darüber hinaus eben auch um all das, was vordergründig gedacht meist nicht zum Tourismus zählt; für ein mehr vernetztes und geschlossenes Tourismuskonzept kommt es eben auch darauf an, dass neue Wohngebiete auf vorhandene Strukturen ausgerichtet werden, Neubauten sich der Umgebung zuordnen lassen, Straßen und Wege für Fußgänger und Radfahrer sinnfällig ausgerichtet werden, örtliche Gegebenheiten geschaffen werden, die Begegnung fördern, Supermärkte, Baumärkte und Kleinindustrie im Baustil in ein Umfeld eingepasst werden und so weiter.

Regionalität und Entschleunigung

So angenehm zum Beispiel für viele Schnellfahrer eine vierspurige Umgehungsstraße sein kann – in einem engen Tal muss nicht ein solches Durchfahr-Konzept im Mittelpunkt stehen; klar müsste inzwischen jedem Städteplaner sein, dass solche Umgehungen ebenso wie ein geradliniger Ausbau innerörtlicher Straßen jegliche Einkaufsstruktur im inneren der Städte zerstören und Einkäufe an die Zentren an der Peripherie lenken – Städte und Dörfer unwirtlicher und unwohnlicher machen.

All diese Anmerkungen laufen auf eine Stadt- und Regionalplanung für das Ahrtal hinaus, die sich emanzipiert von herkömmlichen Denkweisen, bei denen es um Straßenbau, Baugrundstücke, Einkaufszentren an der Peripherie oder Auslagerung von Kleinbetrieben geht. Zukunftsorientierte Konzepte drehen sich stets um Zusammenhänge, vor allem um Lebenszusammenhänge der Menschen, die in den Orten leben, und die Lebensqualität am Ort, nicht nur in ihrem Haus und ihrer Wohnung erwarten.

Eine solche Stadt- und Regionalplanung für das Ahrtal muss auch einhergehen mit einer völligen Veränderung von Förderstrukturen, die auf einen veränderten Bedarf ausgerichtet sein müssen, der sich um Lebensqualität und Versorgung vor Ort kümmert, also auf weit mehr Dezentralität ausrichtet.

So ein wenig soll das anhand eines Beispiels illustriert sein – es scheint fast verwegen, so zu denken, aber trotzdem, mit vielen Fragezeichen skizziert. Warum belastet sich eine Gemeinde mit der Erschließung eines Gebiets für ein Einkaufszentrum am Ortsrand, mit Discountern, Supermarkt, Schuhgeschäft, Billig-Bekleidungsgeschäft, Apotheke, Fitness-Studio, Drogeriemarkt, Imbiss, Bäckerei, Blumenladen und mehr, die allesamt kein riesiges Gewerbesteueraufkommen bringen, baut Straßen aus, damit die Bewohner des Ortes samt der umliegenden Orten gut das Einkaufszentrum erreichen können? Obwohl ein Großteil dessen, was dort angeboten wird, längst in den kleinen Geschäften mitten im Ort erhältlich war? Warum nimmt die politische Planung so in Kauf, dass in den Orten überall die Ortsmitte verödet, weil ein Geschäft nach dem anderen dort aufgibt? Gut – auch die Bewohner dieses Ortes wollen günstig einkaufen; daher ab ins Auto, das vermeintlich immer kostenlos zum Einkauf beim vermeintlichen Billiganbieter fährt.

Abgesehen davon, ob die individuellen Kostenrechnungen aufgehen – es ist ja durchaus auch legitim, über Alternativen nachzudenken. Wäre es für die Kommune nicht lukrativer, anstelle von Flächenerschließung für Supermärkte und Straßenbau die Ortsmitten zu stärken? Warum werden die anscheinend vorhandenen Mittel nicht auf die Förderung kleiner Betriebe in der Ortsmitte gelenkt, die dann vielleicht auch so günstig anbieten könnten wie diejenigen an der Peripherie, die direkt oder indirekt unterstützt werden, weil es eben chic ist, als Gemeinde über ein Einkaufszentrum bei der Ortseinfahrt zu verfügen? Selbst Zuschüsse zu den Betriebskosten der kleinen Betriebe im Ort würden wahrscheinlich im Ergebnis nicht mehr Belastung verursachen als das, was für andere an Förderung läuft. Eine Fixierung auf die Ortskerne würde diese wieder attraktiver machen, für Einkäufe für den täglichen Bedarf ebenso wie im Sinne von Begegnung und Aufenthaltsqualität, für die Bewohner selbst wie für alle touristischen Bestrebungen.

Unvermeidlich wird an dieser Stelle der Hinweis zu hören sein, dass solche Ideen irgendwelchen Regelungen und Richtlinien widersprechen würden – ja, sicher, es wäre merkwürdig, wenn dies nicht so wäre. Aber wenn sich nichts ändert, werden unsere Wohngebiete, die einmal Orte waren, immer ärmlicher, was die Lebensqualität betrifft. Auch im neuen Ahrtal.

Aber das Ahrtal hat jetzt eine besondere Chance, alles besser zu machen.

Man könnte ja auch über ein Konzept der Regionalität oder wenn man möchte, der Langsamkeit nachdenken. Es geht dann nicht nur für die Orte um eine stärkere Orientierung hin auf regionale, örtliche, traditionelle Strukturen, und Wegeführungen, die nicht wegführen, sondern binden. Oder unten im Tal, entlang des Flusses, geht es nicht darum, wieder alles zu ebnen, begradigen, einzufrieden, wie sich an einigen Stellen schon wieder zeigt, oder zu beklagen, dass auf den ehemaligen Rebflächen direkt am Rand des Flusses wegen der Belastungen des Bodens nicht direkt wieder angebaut werden kann? Wäre es da nicht zukunftsorientierter, eine naturnahe Landschaft belassen, die zunächst noch Spuren der Flut-Katastrophe zeigen wird, durchaus sehenswert für alle, die durch das Tal kommen, und die sich nach und nach in eine naturwüchsige, wilde Landschaft verwandeln darf?

Viele weitere Anmerkungen wären denkbar – aber wichtig ist eines: Egal was angegangen wird, wirklich Sinn machen werden mit Blick auf die Zukunft des Ahrtals all die Maßnahmen dann, wenn sie verknüpft werden auf eine Zukunftsidee hin. Und das muss koordiniert werden, es darf nicht dem Zufall überlassen bleiben.

So ein wenig den Zukunftsbedarf und Zukunftshoffnung strahlt auch der Zaun des OKUJA, von dem einige Fotos in diesen Text eingebaut sind, gemalt von Kindern und Jugendlichen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit aus, deren Gebäude ganz in der Nähe unserer Wohnung stand – jetzt auch weggeschwemmt, und eher nebenbei fotografiert, nur wenige Wochen vor der Flut.

Das Ahrtal könnte ein Vorzeigeprojekt werden – wenn man will …

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