Genua – Lebensstil in alten Mauern

Teil 5:
Bunte Vielfalt: Kirchen und Café’s, Graffiti’s und Jugendstil, Skurriles und ein alter Segler

Essen, Kunst, Kultur, Lebensstil und Lebensfreude – ein herrliches Zusammenspiel zeigt sich in Genua. Wir steuern wieder in Richtung Hafen, natürlich wieder quer durch die Altstadt, kommen dabei unversehens an einem kleinen Platz an, mit dem wir nicht gerechnet haben, dem Piazza Banchi. Rundum gibt es Zeitschriften, Bücher, Antiquitäten, Backwaren, Blumen, kleine Bars, Cafés.

Auf den zweiten Blick erst fällt am Platz eine Besonderheit auf – eine Kirche an diesem Platz, die auf der oberen Etage liegt, und im „Erdgeschoss“ sind Ladengeschäfte, wie überall auf dem Platz.

Umringt von den typischen hohen Wohnhäusern steht hier die Chiesa di San Pietro, eine der ältesten Kirchen Genuas aus dem Ende des 16. Jahrhunderts. Und die merkwürdige Bauweise auf der oberen Etage rührt vom Finanzierungsmodell her – in der unteren Etagen wurden damals Lager und Werkstätten erstellt; durch deren Vermietung wurde der Kirchenbau finanziert. Jetzt sind hier, irgendwie passend, zudem auch einige Geschäfte für Touristen und Geldwechselstuben zu finden.

Natürlich steigen wir die Treppen hinauf zur Kirche und schauen uns um. Erstaunlich hell und weiß ist der Innenraum, und auch dort bietet die kleine Kirche einige Überraschungen und „Ungehörigkeiten„, wenn man sich näher umblickt. Nicht nur, dass derjenige, der die Kirche anscheinend ausgemalt hat, oben in der Ecke unterhalb der Kuppel in einem Gerüst hängt und noch den Pinsel schwingt – oder soll das ein Heiliger sein?

Sondern auch noch ein paar andere Feinheiten. An anderer Stelle ruht sich ein Engelchen auf einem Schädel aus, der eine Maske trägt. Ein paar Engelchen zeigen sich etwas keck und haben die Hände so an einer Stelle, die in einer katholischen Kirche als ein wenig pikant angesehen werden könnte.

Auf dem Altarbild zündelt nicht nur der siebenköpfige apokalyptische Schlangendrachen in Richtung des mittelalterlichen Genua, sondern bewundert auch einer der Engel nicht Maria, sondern sich selbst im Spiegel. Auf der gemalten Himmelstreppe stehen nicht irgendwelche Heilige, sondern Tiere, ob Hunde oder Löwen, lässt sich nicht erkennen, und auf der Treppe und dem Thron ist niemand. Und so weiter. Eine Kirche, die auch etwas Humor hat.

Es ist Zeit für eine Pause. Etwas ausruhen ist angesagt. Ganz in der Nähe der Kirche lockt ein modernes Café; es macht einen gemütlichen Eindruck, und alles, was wir probieren wollen, sieht richtig gut aus. Cappuccino, etwas Focaccia mit Schinken und ein paar von den leckeren süßen Teilen probieren, vor allem ein Tortino de Ciccolinata, gibt’s ja alles in einem ordentlichen italienischen Café, und danach ein Espresso. Wird dann nötig sein, um den Rest des Tages zu Fuß zu überstehen …

So ein Stück weit steuern wir noch ins Universitätsviertel hinein, bevor es wieder weiter in Hafen, zurück zum Schiff, gehen soll. Überall sind kleine Bars, Eisdielen und Cafés zu sehen, und an den Wänden vielerorts Graffitis. So richtig „schräg“ zeigt sich ein stylischer Imbiss – da steht die Kuh als Deko, und die Saucen gibt’s zum melken, und wurde gar zu „hot“ gewählt, ist noch die Zitze mit Joghurt zum Ausgleich da …

Hier entdecken wir auch beim herumschlendern in der Via Cappriari noch einen Herrenfriseur, der aus Jugendstilzeiten übrig geblieben ist, weitgehend so ausgestattet, wie es einmal vor ganz langer Zeit war.

Im Friseursalon mit dem klingenden Namen „Antica Barberia Giacalone“, so schmal wie ein Hausflur, werden Haare in höchst stilvoller Umgebung zurecht gemacht. Rundum Glasornamente in den typischen Blau- und Goldtönen, viele Spiegel und Verspiegelungen, die alten Lampen, Uhren, Waschbecken und Wasserhähne, das Mobiliar, selbst die Friseurstühle stammen aus längst vergangenen Zeiten.

Nur eine Straßenecke weiter sind wir wieder angekommen im alten Hafen. Was man nicht noch alles tun könnte – sich mit der Aussichtsgondel nach oben ziehen lassen, oder sich das größte Meereswasser-Aquarium Europas anschauen.

Wir machen es uns aber lieber gemütlich, setzen uns noch mal ins Café, beobachten ein wenig, was bei den Fischern los ist, und bewundern das alte Schiff, das hier liegt, wie wenn es irgendwann einmal vor ein paar Jahrhunderten vergessen worden wäre. Die „Neptune“ ist ein authentischer Nachbau eines spanischen Linienschiffes aus dem Ende des 17. Jahrhunderts – entstanden für den Spielfilm „Piraten“.

Der Regisseur des Films, Roman Polanski, ließ das Schiff 1986 nach historischen Vorbildern bauen, für Baukosten von immerhin über 8 Mio. Dollar. Entstanden ist ein 63 Meter langes, seetüchtiges Schiff, das mit voller Besegelung bis zu 5 Knoten schnell ist. Nach den Dreharbeiten beschloss die Filmgesellschaft Carthago Films, es einem Museum zu vermachen – und seither liegt die „Neptune“ nun im Alten Hafen Genuas, und fährt manchmal auch aus.

Etwas moderner geht es ein Stück weiter zu – wir sind wieder im Kreuzfahrthafen, am Ponte dei Mille. Über eine Schiffstaufe in diesem Hafen wird es noch einen weiteren kurzen Bericht geben.

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