Genua – die Kreuzfahrer-Stadt

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Teil 6:
Ennio Morricone, Sophia Loren und MSC – ein Kreuzfahrt-Hafen und Erinnerungen an eine Schiffstaufe

Vom alten Hafen aus sieht man direkt rüber zum Ponte dei Mille, wo die Kreuzfahrtschiffe liegen. Genua ist vor allem Start- und Zielhafen für allerhand Kreuzfahrten auf dem Mittelmeer, vor allem im westlichen Bereich, oft aber auch in Richtung Osten, oder dann über die Meerenge von Gibraltar hinaus nach Madeira, zu den Kanaren oder irgendwo hin in alle Welt.

Genua und MSC Cruises – das gehört irgendwie zusammen, in diesem Hafen ist die Reederei Zuhause, egal ob das Unternehmen aus Neapel stammt, jetzt in Genf die Zentrale hat und MSC-Schiffe rund um die Welt unterwegs sind, nicht nur Kreuzfahrtschiffe, sondern auch Containerschiffe.

Ist man ein paar Tage in Genua, liegt dort sicherlich unübersehbar eines der MSC-Schiffe, immer sehr auffallend, setzt sich doch das strahlende Weiß der Schiffe in deutlichem Kontrast von den typischen südländischen Farben der Stadt, den ocker-braunen und manchmal pastelligen Farben Genuas ab. Bei der Anreise ist jedes Schiff gut vom Berg oben herab sichtbar, an der Stadtautobahn entlang der Küste sind alle Schiffe mehr oder weniger aufgereiht, aber das stets helle und große Kreuzfahrtschiff dominiert die Szenerie. Und egal wo man in der Stadt ist – entweder gibt es mal einen schnellen Blick auf einen „Schiffsausschnitt“ von einer der Straßenschluchten aus oder von oben herab von einer der Anhöhen.

Imposant stehen die großen Schiffe mitten in der Stadt. Irgendwie scheinen sie dazu zu gehören, ins Stadtbild hinein, sind doch die typischen Stadthäuser in Genua auch kleine Kolosse. Hafen, Schiffe und Stadt scheinen hier noch zusammen zu gehören; das dichte nebeneinander von Fracht- und Containerschiffen, Fähren und Kreuzfahrtschiffen einhergehend mit der engen Anbindung des Hafens an die Stadt eignet sich auch wenig, wie andererorts die Kreuzfahrtschiffe zum Problem und Symbol für Umweltverschmutzung zu stilisieren. Wie immer greifen solche eindimensionalen Feindbilder, wie sie in letzten Jahren um die Kreuzfahrt aufgebaut wurden, zu kurz; bei unseren Problemen mit der Umwelt ist es ja auch ein bequemes Manöver, vom eigenen Verhalten abzulenken, man denke nur ans Autofahren, ans Reiseverhalten oder auch ans Konsumverhalten, bei dem es durchaus Früchte aus Südamerika oder Bekleidung aus Asien sein dürfen. Die Kreuzfahrt ist in dem Zusammenhang sicherlich das kleinste Problem. Sicher, die Kreuzfahrt musste „sauberer“ werden und ist es auch geworden – und davon profitiert auch Genua.

Immer wieder sind wir von Genua aus auf Kreuzfahrt gestartet, vor allem mit verschiedensten MSC-Schiffen, darunter denen, die zum Zeitpunkt unserer Reisen zu den modernsten und größten Schiffen weltweit zählten, aber auch einmal mit einem ziemlich kleinen Schiff, das man getrost zu den „Oldtimern“ zählen kann, mit der Ocean Majesty von Hansa Touristik. Während es mit den modernen Schiffen von Genua aus so ziemlich immer auf die üblichen Standardrouten geht, bietet sich das kleine Schiff für eher besondere Strecken an, auch von Genua aus.

Schiffstaufen hat man ja schon einige erlebt, im Hafen oder vom Schiff aus, je nachdem, in Neapel, Hamburg, Rotterdam oder Le Havre. Aber so richtig mitten im Geschehen mit den Ehrengästen, das erlebt man eher selten. Wir hatten die Gelegenheit, so mitten drin zu sein, bei der Taufe der MSC Preziosa im März 2013 in Genua.

Im Hafen liegt, als wir in Genua ankommen, ein fast unglaublich großes Schiff, 333 Meter lang, 38 Meter breit, mit Platz für maximal 4.345 Passagiere und 1.388 Crewmitglieder. Nur die Oasis-Schiffe von Royal Caribbean sind noch größer. Inzwischen gehört das Schiff nur noch zur mittleren Größenordnung bei MSC – die größten wie die MSC Grandiosa sind für maximal 6.334 Passagiere zugelassen. So einfach zum Vergleich: Die Ocean Majesty, mit der wir auch schon von Genua aus gestartet sind, fasst gerade mal 500 Passagiere – und die Passagierzahl spiegelt so ein wenig den Verlauf der Kreuzfahrtgeschichte. 1965 war der Stapellauf der Ocean Majesty, 500 Passagiere; wir waren 2013 bei der Taufe der MSC Preziosa, 4.345 Passagiere; und aktuell startet von Genua aus die MSC Grandiosa, 6.334 Passagiere. Um die Passagierzahl der MSC Grandiosa zu bewältigen, müssten im Hafen von Genua 13 Schiffe der Größenordnung Ocean Majesty liegen und abgewickelt werden …

Die Tauffeierlichkeiten werden über zwei Tage laufen; wir sind auf zwei Nächte an Bord eingeladen, um dabei zu sein, werden aber auch die Gelegenheit nutzen, gleich anschließend die erste Fahrt des Schiffes mit zu machen. Unser Check-In gestaltet sich höchst einfach, da nur wenige hundert Menschen an Bord sein werden.

Die MSC-Schiffe haben uns immer begeistert, und so war es auch dieses Mal, bereits auf dem Weg zur Kabine und dann beim ersten Rundgang. Überall eine stilvolle, gediegene Ausstattung, auffallend in den öffentlichen Bereichen viel Marmor und Glas, überall große Fensterflächen, hochwertiges Sitzmobiliar, dann auch die Marmorböden, Teppichböden oder die breiten, großzügigen Treppenhäuser, im zentralen Atrium die Treppen gar mit Swarovski-Steinen belegt.

Auch die Kabine – viel Platz, sehr gut ausgestattet, schöner Blick nach draußen, ausreichend großer Balkon, nur das Bad, das hat den standardisierten Plastik-Charme der neueren Generation der Kreuzfahrtschiffe. Die Restaurants sind stilvoll, sogar das Buffetrestaurant angenehm ausgestattet, mit wenig Kantinencharakter. Ausnahme im Plastik-Styling ist das Eataly, das besondere Restaurant für gehobene italienische Küche – mehr lässt sich vermeintlich gediegenes Kantinen-Design kaum toppen, aber sicher war es ein Top-Designer, der das zu verantworten hat. Der erstaunlich große Wellnessbereich hat so ziemlich alles, was man sich an Ausstattung vorstellen kann, weit mehr als manche Wellnessanlage an Land. Dasselbe gilt für das Fitness-Studio.

Obenauf liegt das weitläufige Sonnendeck mit Pools, Liegestühlen und Bars; der Pool am Heck geht bis zum Schiffsrand, nur eine gläserne Abgrenzung zeigt sich zum Horizont – während der Zeit, in der wir das Schiff besichtigen, zeigt sich am Pool die Hügelkette von Genua. Insgesamt geht überall auf dem Schiff Modernität einher mit hochwertiger, gediegener Ausstattung, nicht mit kurzlebigem unbequemen Plastik-Schnick-Schnack, sondern mit Lebensstil, der bequemem Aufenthalt ermöglicht.

Der erste Tag an Bord. Wir gehören zu den ersten Gästen, die zunächst auf dem Schiff auf Erkundung gehen, dann in Genua. Am Abend dann das erste festliche Abendessen. Im Restaurant sitzen Gäste aus aller Welt. MSC hat von überall her, aus jedem Land, wo die Schiffe unterwegs sind und wo MSC-Reisen verkauft werden, ein paar Gäste eingeladen. Gerade mal zwei Tische sind belegt mit Gästen aus Deutschland, einem der wichtigsten Quellmärkte für MSC-Kreuzfahrten. Gastgeber ist der damalige Geschäftsführer von MSC, Michael Zengerle, und immer wieder bei den Gästen der Chef von MSC, Francesco Vago.

Zweiter Tag. Wir verbringen den Vormittag bis in die Mittagszeit hinein mit einer Stadterkundung – altbekannte Plätze wieder aufsuchen, Neues entdecken. Vom Schiff aus ging es durch den alten Hafen, vorbei an der „Neptune“, die Roman Polanski für seinen Film „Piraten“ nach Vorbildern aus dem 17. Jahrhundert nachbauen ließ. Am Abend werden wir nicht nur etwas sehen, was ein berühmter Regisseur bauen ließ, sondern zwei Weltstars live erleben, Ennio Morricone und Sophia Loren.

Bei unserem Gang durch die Stadt ist überall zu sehen, dass Schiffstaufe ist – Fähnchen und Wimpel allenthalben, mit dem MSC-Logo und dem Stadtwappen. Die Tageszeitungen berichten in zum Teil mehrseitigen Artikeln.

Am späten Nachmittag soll es losgehen mit den Tauffeierlichkeiten. Am Morgen haben wir schon gesehen, dass vor dem Schiff in Windeseile eine mobile Veranstaltungshalle aufgebaut wird. Warum, merken wir schnell im Tagesverlauf.

Der Himmel bewölkt sich immer mehr, der Wind wird ziemlich stürmisch. Von der Stadt aus haben wir schon gesehen, dass weitere MSC-Schiffe eingetroffen sind. Als wir zur MSC Preziosa zurückgehen, fängt es an zu regnen, und es wird tatsächlich ein kühler, regnerischer Märztag.

Zurück auf dem Schiff, die „Festtags-Klamotten“ angezogen, ein wenig übers Schiff geschlendert. Wir sind gespannt auf das, was so kommen wird. Vom Schiff aus geht es durch einen Übergang hinüber zur gläsernen Festhalle, mit guter Aussicht auf den Hafen.

Bis es richtig los geht, gibt es das MSC-Showprogramm. Aber dann das erste Highlight: Ennio Morricone, ohne dessen Melodien kaum ein Western und auch sonst viele Filme nicht denkbar sind, spielt mit dem Römischen Sinfonie Orchester einige seiner schönsten Melodien – unvergesslich die Musik zu den Filmen „Zwei glorreiche Halunken“, „Für eine handvoll Dollar“, die „Nobody“-Filme oder auch „Das Lied vom Tod“ (letzteres bei der Schiffstaufe verständlicherweise nicht gespielt) oder die Filmmusik zu „The Hateful Eight“ von Quentin Tarantino, für die er den Oscar erhielt; für sein Lebenswerk erhielt er den Ehrenoscar. Eine eindrucksvolle halbe Stunde mit einem energiegeladenen, immerhin 85-jährigen Dirigenten Ennio Morricone.

Grußworte und Showeinlagen, und dann folgt der nächste Auftritt eines Weltstars – Sophia Loren. Eine Filmlegende, die wohl kaum beschrieben werden muss.

Zusammen mit dem Eigentümer von MSC, Gianluici Aponte, tritt sie auf die Bühne – und tauft nach einer kurzen Rede die MSC Preziosa, wie sie zuvor auch schon alle MSC-Schiffe getauft hat.

Die Schere wird gereicht, das Band durchschnitten, und über ein Seil wird aus der Halle heraus die Champagnerflasche am Bug des Schiffes zerschmettert – groß übertragen auf dem Bildschirm, denn traditionell hat die Flasche auf der Steuerbordseite zu zersplittern, und die Festhalle, die uns vor Sturm und Regen schützt, wurde auf der Hafenanlage an Backbord aufgebaut.

Von der gläsernen Halle aus sehen wir hinaus auf die Hafenseite. Dort fahren jetzt MSC Opera und die MSC Splendida auf uns und die MSC Preziosa zu, bis die Schiffe fast Bug an Bug stehen – mit einem Konzert der Schiffshörner und buntem Lichterspiel von Leuchtkugeln begrüßen die beiden „alten“ Flottenmitglieder den Neuankömmling. Es klingt, wie wenn sich die Schiffe unterhalten würden.

Festliche Musik erklingt, draußen gibt es ein Feuerwerk, in der Halle schneit es glitzerndes Konfetti. Es wird gewunken und geklatscht. Es geht hinaus aus der Halle, hinüber zum Schiff, zum großen Gala-Essen.

Zurück an Bord folgt ein festliches Abendessen, das sich sehen lassen kann – einige Fotos vom Abendessen an diesem Tag und am Tag zuvor zeigen eine leckere Vielfalt, prächtig präsentiert.

Und nach dem Abendessen: Überall auf dem Schiff Programm – Talk und Konzerte in verschiedenen Lounges und Bars, Shows auf den Bühnen.

Irgendwann geht auch ein höchst interessanter und unterhaltsamer Tag zu Ende.

Eine weitere Nacht an Bord – und dann wird es mit dem „frisch getauften“ Schiff auf Reise durchs Mittelmeer gehen, auf zu neuen Entdeckungen.

Genua, die höchst interessante Kreuzfahrer-Stadt, liegt hinter uns. Mit der MSC Preziosa werden wir hier in einer Woche wieder ankommen – und sicherlich in den nächsten Jahren immer wieder hier sein.

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