Genua – Streifen, Farben, Formen

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Teil 4:
Kunst und Kultur, Technik und Baustil – vom Mittelalter bis Miró

Kirchen und Museen, Palazzos und Wohngebäude, Märkte und Läden, Plätze und Gassen, viele große und kleine Entdeckungen, das macht Genua aus. Egal, welche Wege man geht, irgendwann steht man vor einem imposanten Bauwerk mitten im Häusergewirr, der Kathedrale San Lorenzo, hoch und nur vermeintlich schmal, mit ihren ungewöhnlichen Querstreifen. Schon vom Schiff aus hatten wir den hoch aufragenden Turm und die Kuppeln der Kathedrale gesehen.

Unwillkürlich fragt man sich, warum das mit den Querstreifen wohl so ist. Kirchen streben normalerweise zum Himmel, daher würde man eher vertikale Streifen erwarten – aber hier sind es horizontale, das Bauwerk sollte wohl mächtiger in der Stadt stehen. Entstanden ist diese gotische Fassade aus hellem und dunkelgrauem Carrara Marmor bereits zwischen 1307 und 1312, als die Kirche nach einem Brand restauriert wurde. Eingeweiht wurde die Kathedrale schon zu Beginn des 12. Jahrhunderts.

Bereits seit dem 12. Jahrhundert ist San Lorenzo Bischofssitz – und wie es der Zufall manchmal will, ist gerade Bischofsmesse, als wir in die Kathedrale eintreten. Fotos gibt es daher aus dem Innenbereich nur eines – heimlich während der Messe aufgenommen. Rund um den eigentlich relativ großen, aber vor der mächtigen Kirche und den eng stehenden Häusern relativ klein wirkenden Platz stehen prächtige Gebäude, einige davon in der Fassadengestaltung gut der Kathedrale angepasst.

Als nächstes wird die älteste Konditorei Italiens angesteuert, Pietro Romanengo in der Piazza di Soziglia – hier gibt es süße Naschereien, Pralinen, Törtchen, Gebäck. Wir kaufen eine kleine Auswahl, und probiert wird gleich vor dem Geschäft.

Ganz in der Nähe liegt der Palazzo Ducale aus dem 14. Jahrhundert, einst der Dogenpalast von Genua. Uns fällt natürlich das Bauwerk auf – aber noch mehr eine kleine Menschenschlange, die vor einem Eingang steht, und einige Kinder, die anscheinend ihre Eltern zu irgendetwas hin führen. Plakate bringen uns schließlich auf den richtigen Weg.

Es läuft eine Miró-Ausstellung; Skulpturen sollen zu sehen sein. Von Miró hat man eigentlich nur farbenfrohe, fröhliche Bilder in Erinnerung – also hinein, Skulpturen und der Palast wecken das Interesse. Drinnen zeigt sich eine ungewöhnliche Kunst-Komposition aus den eher abstrakten Skulpturen Miró’s und den überbordend barock ausgeschmückten Räumen und Sälen des Palazzo.

Warum so viele Kinder hier sind, zeigt sich schnell in der begleitenden Ausstellung – auch zum Thema Miró, aber zu seinen Bildern, interpretiert von Kindern. Das, was da an den Wänden hängt, beeindruckt eigentlich mehr als die „große Kunst“.

Zwei Jahrhunderte nachdem der Palazzo Ducale entstand setzte jemand, der zumindest in Genua geboren wurde, Zeitzeichen auf dem Wege der Entdeckung der Welt. Christoph Kolumbus wurde 1451 in Genua geboren, und das Haus, in dem er seine Kindheit verbracht haben soll, steht heute noch und kann besichtigt werden. Wir steuern natürlich von der Kathedrale aus das nicht weit entfernte Haus an, das etwas außerhalb der alten Stadtmauern liegt, in einer Gartenanlage mit Ruinen, dem übrig gebliebenen Kreuzgang eines einst auch hier stehenden Klosters. Wir beschränken uns aber auf einen kurzen Weg durch den Kreuzgang – um das ziemlich kleine Kolumbus-Haus machen wir einen großen Bogen, es ist vor lauter Menschen drumherum sowieso nicht aus der Nähe zu sehen, und drinnen wird es sicherlich noch voller sein.

Durch die Porta Sprana, das alte Stadttor aus dem 12. Jahrhundert, geht es zurück, hinein in die Altstadt. Dieses Tor war einst Teil der mittelalterlichen Befestigungsanlage der Stadt.

Überall zeigen sich ungeahnte Dinge. Nicht nur wegen der Spezialitäten „klebt“ man oft an der Auslage in den Schaufenstern, sondern auch wegen allerhand ungewöhnlichen Angeboten. So steht man unversehens vor einem Geschäft, in dem alte Schreibmaschinen ausgestellt und verkauft werden – eher Schreibautomaten aus den ersten Erfinderzeiten. Eigentlich macht es mehr den Eindruck eines Museums.

Wer noch weiß, wie eine manuelle Schreibmaschine mit Buchstaben-Anschlag aufgebaut ist, staunt über die möglichen Variationen, in denen das möglich ist. Aber manche der Automaten mit Zahnrädern, Knöpfen, Verschiebebalken und Anzeigestiften können durchaus vor Rätsel stellen, wie da wohl ein Text zustande kommen mag.

Essen, Kunst, Kultur – ein laufendes Wechselspiel in Genua. Wir steuern wieder in Richtung Hafen, natürlich wieder quer durch die Altstadt, kommen dabei unversehens an einem kleinen Platz an – aber über diesen und weitere Entdeckungen geht es im nächsten Bericht.

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