London – eine Fahrt auf der Themse

Entlang des Ärmelkanals mit der MS Deutschland – Bericht 2

Mit der MS Deutschland geht es von Bremerhaven aus zum ersten Ziel, nach Greenwich, dem Stadtteil von London. Nach einem Seetag über die Nordsee geht es am frühen Morgen auf Flusskreuzfahrt, die Themse hinauf, unterstützt von Schleppern.

Entlang des Flusses sind alte Dockanlagen zu sehen, moderne Wohnhäuser, für Wohnzwecke umgebaute Fabrikanlagen, zwischendurch immer wieder einige eher traditionelle Wohngebäude, wie man sie in England erwartet. In der Ferne zeigt sich die Skyline von London. Die lange Zeit dominierende, berühmte Hochhauszigarre mit dem offiziellen Namen 30 St Mary Axe, gerne auch The Gherkin, also Gewürzgurke genannt, fällt nur noch bedingt durch ihre besondere Form inmitten inzwischen weit höherer Gebäude auf.

Die alten Wahrzeichen sind sicher schon längst nicht mehr aus der Ferne auszumachen.

Über den Fluss führt die städtische Seilbahn, die Emirates Air Line Cable Car. In einer Flussschleife liegt wie eine riesige flache Kuppel die O2-Arena, der größte Kuppelbau der Welt, überragt von den spitzig herausragenden Stahlgerüsten – ein Gebäude mit Symbolmaßen, 365 Meter Durchmesser, 52 Meter Höhe, aufgehängt an 12 Masten. In der Nähe von Greenwich dominieren bereits die ersten Hochhauslandschaften.

Die MS Deutschland hält direkt am Stadtzentrum von Greenwich, direkt beim auf dem Ufer aufgelegten Segler Cutty Sark, einem Tee- und Wollklipper, in Dienst gestellt 1869, einst eines der schnellsten Segelschiffe, jetzt ein Museumsschiff. Davor ist ein Kuppelgebäude zu sehen – hier geht es hinunter zum alten Themsetunnel aus dem Jahr 1902, dem etwa 370 Meter langen Fußgängerweg unter dem Fluss hindurch, auf die andere Seite.

Unser Schiff wird verankert – und zwar mitten in der Themse. Ein höchst ungewöhnlicher Liegeplatz für ein Hochseeschiff. Staunend schauen wir zu, wie das Schiff zunächst von zwei Schleppern gehalten und fixiert wird. Dann kommen Boote, die mit vom Schiff zugeworfenen Seilen dieses an den im Fluss liegenden Festmachern so verzurren, dass es von der Flussströmung nicht abgetrieben werden kann. Es ist schon ein besonderes Erlebnis – solch skurrile Ideen können eigentlich nur in England entstehen.

Aus dem diffusen Morgenlicht ist inzwischen ein strahlend blauer Himmel geworden. Noch warten wir auf die Schiffsfreigabe durch die Behörden. Erst dann ist der Ausstieg an Land möglich – aber nur mit Hilfsmitteln: Es kommt ein Pontonboot mit mobiler Passkontrolle und Aufschrift „Welcome in London“ angeschwommen, das am Kreuzfahrtschiff anlegt – und von diesem Pontonboot aus werden mit städtischem Tenderboot in regelmäßigen Abständen die Passagiere zwischen Schiff und Ufer hin- und hergefahren.

Eigentlich hatten wir ja vorgesehen, uns zunächst einmal Greenwich anzusehen, und dann vielleicht auch noch in die Innenstadt nach London zu fahren. Aber wie der Zufall es so will: Unser Tender setzt uns am Ufer ab, und direkt an der nebenliegenden Anlegestelle fährt ein Uber-Schnellboot ein. Noch ein Blick zurück zu unserem Schiff.

Dann steigen wir um. Eine freundliche Mitarbeiterin am Schnellboot zeigt uns im Akkordtempo, wie zu bezahlen ist, natürlich nur mit Kreditkarte und kontaktlos und schnell. Die Schnellboote sind der Linienverkehr auf der Themse, und sie fliegen geradezu in einem unglaublichen Tempo über das Wasser.

Es geht los, in rasanter Fahrt in die Innenstadt. Wir sitzen im offenen Heck, hinter uns schleudert das Boot das Wasser hinaus; für jedes Foto, das im Stehen entstehen soll, heißt es, sich gut festzuhalten – sonst wäre vielleicht unfreiwilliges Aussteigen angesagt. Drinnen im Schiff wäre es ruhiger, aber weit weniger interessant.

Noch ist es ein wenig vorstädtisch. Dann geht es zügig an all den Neubauten vorbei, die im ehemaligen Dockgelände entstanden.

Zwischendurch stehen noch einige der ehemaligen Lagergebäude, die zu Wohnanlagen umgebaut wurden. Keine schlechte Wohnsituation, soweit man dies sehen kann – die Wohnungen alle mit großen Fensterflächen zum Wasser hin ausgerichtet. Nur selten stehen am Ufer entlang noch die Wohngebäude vergangener Zeiten.

Schnell kommt das Gebiet mit den neuen Hochhäusern näher, die jetzt die Skyline prägen. Auffallend überall zwischen den Hochhäusern die Baukräne an zum Teil noch höheren Gebäuden, die entstehen.

Dann liegt die Tower Bridge vor uns. Eigentlich hat man erst jetzt das Gefühl, in London angekommen zu sein, der eher altehrwürdigen und zugleich zu den modernsten und teuersten Metropolen der Welt gehörenden Hauptstadt des eigenwilligen Landes, das Kontraste und Gegensätze pflegt, und dabei auch versteht, eine der ältesten Demokratien mit einer Monarchie zu kombinieren.

Links am Ufer steht wie eine in den Himmel ragende Spitze The Shard, lange Zeit der höchste Wolkenkratzer Europas, immerhin 310 Meter hoch. Passend irgendwie sein Name – die Glasfassade oben sieht tatsächlich aus, als habe es Glasbruch gegeben. Rasant geht es unter der Tower Bridge hindurch. Angedacht war, einmal über die Brücke zu gehen, oben auf dem Glassteg, und dabei auch die alte Brückentechnik anzusehen; aber das werden wir nachher nach vielen Kilometern Wanderung durch die Stadt nicht mehr schaffen.

Rechtsseitig ist der Tower of London, einst mal prägnantes Wahrzeichen, jetzt inmitten der Bebauung nur noch von der Themse her auffallend, weil er direkt am Ufer steht. Wäre da nicht die Tower Bridge, würde er noch mehr einsam wirken inmitten der fast chaotischen, vor allem in die Höhe strebenden Vielfalt rundum.

Fast schon verschwindend zwischen all den Bauwerken die Saint Paul´s Cathedral, von der von Themse aus nur noch wenig zu sehen ist.

Dominanter und in ihren Formen beeindruckend sind die Hochhäuser, selten in einfacher Bauweise erstellt, eher in geschwungenen Linien, oder als senkrecht stehende Form, nicht nur an eine Gurke, auch an eine Zigarre erinnernd, oder als extrem in die Höhe verzogene Pyramide erstellt, auf dem Gelände einer ehemaligen Werft wie angestrandete Schiffe aussehend, dann an anderer Stelle ein überdimensionaler Golfball, oder auch als stufenförmiges Gebäude.

Erst auf den zweiten Blick fallen die fast niedrig scheinenden Hochhäuser und Prachtbauten der vorhergehenden Generation auf – mal wie ein Treppenhaus gebaut, dann wie eine Ansammlung von Würfeln, oder als größenmäßig ungleiche Glassäulendrillinge, selten einfach wie übliche oder vielleicht stylische Wohnhäuser.

Und zwischen all dem blitzen immer wieder, ein wenig wie Überbleibsel anmutend, Ausschnitte von all dem auf, was einmal groß schien und weit sichtbares Wahrzeichen der Stadt war – Kirchen, Turmspitzen, Giebel, oder auch ältere Wohngebäude, so wie diejenigen, die inmitten eines Gewusels von Neubauten fast etwas versteckt unter einer alten Brücke hindurch noch sichtbar sind, die den Bauboom warum auch immer überlebt haben.

Nach einer kurzen Fahrtstrecke liegt das alles überragende Riesenrad namens London Eye direkt am Ufer der Themse; wer hier in einer Gondel sitzt, hat aus 135 Metern Höhe beste Aussicht über die Stadt.

Dann geht es vorbei am altehrwürdigen The Royal Horseguards Hotel & One Whitehall Place – eigentlich müsste man sich Zeit dafür nehmen, wenigstens einmal durch die geschwungenen Marmortreppenhäuser zu schreiten, sich einige der prächtig ausgestatteten Salons anzusehen oder wenigstens in einer der Bars einen Kaffee zu trinken.

In Sicht ist nun auch der Big Ben. Wir fahren unter der Westminster Bridge hindurch, dann am Palace of Westminster, den Houses of Parliament vorbei, nach der Renovierung das Gestein nicht mehr schmutzig-grau, sondern hell, die goldglänzenden Verzierungen in der Sonne glitzernd.

Bei Sonnenschein und tiefblauem Himmel fahren wir noch ein wenig weiter auf der Themse, nehmen dann mit dem Boot die Strecke wieder zurück bis am Parlamentsgebäude vorbei, steigen an der Westminster Bridge dann aus und machen einen „Schnelldurchgang“ durch London, zu Fuß.

Über diesem Spaziergang, unter anderem vorbei am Buckingham Palace, durch Soho und China Town, oder über den Piccadilly Circus, geht es im nächsten Reisebericht.

(#England, #London)

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