„Lan Diep“ – Mekong-Schiff mit Atmosphäre

Ein Flusskreuzfahrtschiff mit Komfort, Stil und Tradition

Vietnam- und Kambodscha-Reise,
Bericht 31

Vor uns liegt die Lan Diep – ein schmuckes, kleines Kreuzfahrtschiff, sehr traditionell gebaut, mit viel Holz, passend zu der Region und den Schiffen, die hier unterwegs sind.

Es scheint ein sehr sicheres Schiff zu sein – denn vorne am Bug blicken uns nicht die Augen an, die sonst auf fast allen Schiffen auf dem Mekong aufgemalt sind, und um die sich unterschiedliche Geschichten ranken. Eine davon handelt von den inzwischen nicht mehr vorhandenen Mekong-Krokodilen. Die Fischer hätten sich vor denen gefürchtet und ihr Schiff so angemalt, dass es ähnlich wie ein Krokodil blickte. Das Schiff war größer, der Fischer hatte das größere „Krokodil“, und so konnte er sich sicher fühlen. Eine andere gründet in einer Art Schiffstaufe, einer Zeremonie, in der dem Schiff die Augen geöffnet werden, indem sie aufgemalt werden, was dem neuen Boot Glück, eine hellwache Mannschaft und eine sichere Fahrt bringen soll.

Die Lan Diep, mit der wir auf dem Mekong unterwegs sein werden, hat sicherlich eine solche Zeremonie hinter sich gebracht, benötigt aber solches Drumherum eigentlich nicht, denn sie ist ein modernes, ziemlich neues Schiff in traditionellem Gewand. Gerade mal knapp 50 Meter lang ist das Schiff, hat drei Ebenen. Die Passagiere wohnen auf den unteren beiden Ebenen, vom umlaufenden Promenadendeck aus erreichbar.

Wir haben uns für das untere Deck entschieden, haben viele Bilder im Kopf von den schwimmenden Märkten und dem Leben am Fluss, und wollen ziemlich nahe am Geschehen auf dem Wasser wohnen. Auf dem Oberdeck gibt es viele Möglichkeiten, draußen zu sitzen, zudem einen gemütlichen und vor allem klimatisierten Salon – unverzichtbarer Rückzugsbereich, wenn man der Hitze draußen einmal entfleuchen und nicht in der Kabine sitzen möchte. Hinten im Heck liegt das Restaurant, angenehm und bequem ausgestattet, mit hellem Mobiliar und rundum großen Fensterflächen.

Bei Ankunft werden wir sehr freundlich von der Crew in Empfang genommen und zur Kabine gebracht. Unsere Kabine ist für ein Fluss-Kreuzfahrtschiff überraschend groß, sehr stilvoll ausgestattet mit Holz – die Böden, die Möbel, die Wandvertäfelung, sogar das ganze Bad in dunklem, angenehmem Echtholz; ansonsten alles hell. Großes Doppelbett in der Kabine, Schrank, kleiner Schreibtisch, Nachtkästchen, Stuhl – einer mehr wäre nicht schlecht. Das Bad gut aufgeteilt, auch alles drin. Insgesamt eine wirklich angenehme Atmosphäre, ein netter eigener kleiner Bereich auf dem Schiff. Und was sich auf der Reise bei Temperaturen von immer über 30 Grad und enorm hoher Luftfeuchtigkeit als sehr angenehm bewähren wird: Eine gut regelbare Klimaanlage.

Den Schiffsnamen „Lan Diep“ hatten wir uns schon eingeprägt – aber dass dieser Name die vietnamesische Übersetzung von „Romeo und Julia“ ist, darauf wären wir nicht gekommen. Also reisen wir auf „Romeo und Julia“ und lassen uns überraschen. Platz ist auf der Lan Diep für etwa 40 Passagiere, auf unserer Reise sind nur 27 an Bord – angenehm, so ist es überall recht entspannt. Umsorgt werden wir tatsächlich von 22 Crew-Mitgliedern, also eine im Vergleich zu anderen Reisen traumhafte Passagier-Crew-Relation. Fast alle sind Kambodschaner, ein paar Vietnamesen drunter, dazu die deutsche Bordreiseleitung von Phoenix, und immer wieder wechselnd wird ein regionaler Reisebegleiter mit dazu kommen.

Auf der Reise zeigt sich dann, dass wir eine wirklich nette, freundliche, aufmerksame und kompetente Crew an Bord haben, ob beim Service im Restaurant, in der Kabine oder sonstwo an Bord. Im Restaurant wird richtig und zügig und freundlich serviert und gegebenenfalls nachgelegt oder nachgeschenkt. An der Bar auf dem Sonnendeck gibt es kein mürrisches Gesicht, wenn man „nur“ ein kostenloses Wasser trinken will. Bei Landgängen gibt es Hilfestellungen bei wackligen Treppen und matschigen Aufstiegen an der Böschung, und bei Rückkehr werden die Schuhe grundgereinigt. Die Kabine wird ein paar mal gereinigt, immer sind viele, nicht nur ausreichende kostenlose Wasserflaschen da, der Wäscheservice funktioniert fast im Stundentakt. Alle Crewmitglieder sprechen ein wenig englisch und auch ein wenig deutsch, aber Verständigung ist immer mit einem lächeln, notfalls mit ein paar Zeichen möglich – und wenn man möchte, kann man auch ein paar Worte in der Khmer-Sprache lernen, aber die kann man sich kaum merken.

Auf einem ersten Schiffsrundgang zeigt sich, dass man auf der Lan Diep so ziemlich überall hingehen kann, und überall mit einem netten Lächeln empfangen wird. Ist mit Worten mal nichts Verständliches zu machen, dann wird unverständliche Sprache ergänzt mit Gestik, oder man wird irgendwohin geführt. Ich gehe ums Promenadendeck, und aus der ersten Tür, die weit offen steht, hört man Unterhaltung und fröhliches Lachen. Zwei junge Frauen stehen in der kleinen Bordwäscherei. Sprachlich geht nichts, eine zeigt mir die Wäscheliste und nach einigem hin und her kapiere ich, dass man all das, was man abgibt, normalerweise am selben Tag gleich wieder gewaschen und gebügelt zurück bekommt. Eine Etage drüber ist die Küche, noch nichts los, aber am Abend wird’s geschäftig.

Als eine der Frauen merkt, dass ich mir die Küche ansehe, kommt das Signal, dass ich kurz warten solle, mit Blick auf eine Durchreiche – sicherlich ins Restaurant. Sie ist weg, nach kurzer Zeit geht die Durchreiche auf, sie winkt wie im Kasperle-Theater durch – und zeigt mir eine Richtung, wie ich weitergehen soll. Es geht eine halbe Treppe hoch, ins Restaurant. Sie sitzt in einer etwas verborgenen Nische auf dem Boden, und blickt durch die Durchreiche in die ebenenversetzte Küche hinunter.

In der Küche „zaubern“ vietnamesische und kambodschanische Köche gemeinsam allerhand regionale Gerichte, haben aber sicherlich die Geschmacksnoten etwas europäisiert – für uns hätte es gerne öfters noch ein wenig exotischer schmecken dürfen. Aber sei’s drum, es hat geschmeckt, und immer mal waren Zutaten mit dabei, die bei uns nicht so alltäglich auf den Tisch kommen, ob Lotusstengel und Lotuswurzeln, Wassergurken und Wasserspinat, Bananenblüte und frische Palmherzen, Zitronengras und Langbohnen, Drachenfrucht und Jackfruit und mehr. Die Suppen von eher bekannt nach Huhn schmeckend über süß-sauer oder eher glibberig bis hin zu säuerlich. Die Salate bunt und ungewöhnlich zusammengestellt. Bei den Hauptspeisen bekannt scheinende Gerichte, wenn man ab und an beim Vietnamesen essen geht, allesamt gut und schmackhaft, und bei den Gemüsen manche Neuigkeit – angenehm, fast vorsichtig gewürzt, manchmal Ingwer, und oft heftig Knoblauch mit dabei.

So richtig Deftiges, das bei Marktspaziergängen aus den Streetfood-Küchen heraus die Nase umweht, war nicht dabei – das sollte wohl den bekannt empfindlichen deutschen Geschmacksnerven nicht zugemutet werden. Zum Nachtisch immer eine Obstauswahl, stets auch mit etwas Besonderem dabei – und dazu etwas typisch Regionales, süß, manchmal recht farbig, ob Glibbernudeln oder Reisbällchen oder Fruchtgummischnitte, alles etwas gewöhnungsbedürftig.
Auf jeden Fall haben uns immer klangvolle Namen begleitet wie das Nationalgericht „Amok“, gedämpfter Fisch mit Curry in Kokosmilch, „Morning Glory“, gedämpfter Wasserspinat mit Knoblauch und anderen Gewürzen, „Lok Lak“, gebratene Rindfleischstreifen auf Zwiebeln und Salat, „Pho“, eine Nudelsuppe, für die ein Huhn oder eine Ente ausgekocht wird, „Nom Hoa Chuoi“, der Bananenblütensalat, „Omlar Machou Banle“, eine säuerliche Fischsuppe, „Sanghya Labov“, gefüllter Kürbis, und so weiter. Zum Frühstück bestelle ich mir manchmal „Song Boing Bie“, so ziemlich das einzige, was ich mir in der Khmer-Sprache gemerkt habe, klingt gut, ist was ganz banales – nämlich zwei Spiegeleier. Einer der Köche hat mir das in Lautsprache aufgeschrieben – richtig geschrieben würde es so aussehen ស៊ុតចៀនពីរ.

Unser Lieblingsplätzchen auf dieser Reise auf der Lan Diep war auf dieser Reise ganz vorne auf dem Schiff, direkt beim Kapitän. Unmittelbar vor der Brücke stehen auf dem Außendeck vier sehr bequeme Stühle, in schönster Aussichtslage in Fahrtrichtung, auch mit bestem Blick nach links und rechts, zum Ufer hin. Meist werden wir hier ein Plätzchen finden, von dem aus wir all das genießen können, was rundum zu sehen ist – und auch unendlich viele Fotos machen, von denen einige in diesen Reiseberichten zu sehen sind. Für uns ist es ganz angenehm, dass dieser Aussichtsplatz kaum nachgefragt ist – vielleicht weil es hier vorne keine Cocktails und auch keine Internetverbindung gibt.

Im Heckbereich geht es hinunter in den Maschinenraum. Die Tür steht offen, kein Problem, in der kleinen Dieselwolke hinunterzusteigen. Drunten sieht man ein wenig Technik, Volvo-Motoren und -Generatoren – ein blitzblanker, sauberer, frisch gestrichener Bereich.

Der Maschinist hat gerade im Ruhebetrieb des Schiffes wenig zu tun; er sitzt hinten am Heck auf dem Promenadendeck und geht seinem Hobby nach – er baut Holzschiffchen. Vorne am Bug zeigen sich die Ankerwinden und Ketten auch höchst gepflegt und hochglänzend.

Auf der oberen Promenade kommt man direkt zum Kapitän, wenn man möchte, auch auf die kleine Brücke – unser Kapitän hat noch ein richtiges Steuerrad vor sich, und weit weniger Technik, als man sonst so gewohnt ist. Später hören wir, dass die Erfahrung des Kapitäns mit dem Fluss und vor allem mit dem Verhalten der Menschen, die darauf unterwegs sind, im Mekong-Delta, auf dem Mekong, auf Tonle Sap Fluss und See, ebenso wie auf den vielen Kanälen weit wichtiger ist als jegliche Technik. Unser Kapitän, ein Vietnamese, hat lange Erfahrung – und hat als stellvertretenden Kapitän seinen Sohn dabei; auffallend für uns auf der Reise, dass letzterer nur die einfacheren Passagen alleine fährt.

Verwunderlich ist uns das nach der Fahrt nicht mehr. Erstaunlich nahe geht es oft an kleinen Booten, anderen Schiffen oder am Ufer vorbei. Öfters tauchen Sandbänke auf oder muss man von ziemlich niedrigem Wasserstand ausgehen, wenn Menschen oder Tiere weit im Fluss stehen. Fast abenteuerlich ist es dann, wenn für einen Aufenthalt nicht an einem Anleger angehalten wird, sondern das Schiff mehr oder weniger in die Böschung am Ufer gefahren und dort festgemacht wird.

Auffallend gut ist die Stimmung auf der Lan Diep, von Beginn der Fahrt auf dem Mekong bis zum Ende der Schiffsreise, vor Siem Reap. Das zeigt sich auch noch einmal bei der Abschiedsfeier auf dem Tonle Sap See, bei der Crew und Passagiere gemeinsam bis in die späte Nacht hinein feiern.

Gebaut wurde die Lan Diep 2007, renoviert 2016. Mit einer Schiffsgröße von 450 BRZ ist sie ein wirklich sehr überschaubares kleines Kreuzfahrtschiff, wenn man weiß, dass die großen Ozeanriesen inzwischen bei über 220.000 BRZ liegen. Die Fahrtgeschwindigkeit hängt sehr ab von der Strömung – zwischen 18 und 40 Stundenkilometer ist möglich. Gefahren wird unter kambodschanischer Flagge. Und unterwegs ist das Schiff für Phoenixreisen aus Bonn.

So viel zur Lan Diep. Wir sind sind eingezogen auf dem Schiff, das für die nächsten zehn Tage unser Zuhause sein wird. Aber jetzt sind wir erst einmal noch für einen Tag in Ho Chi Minh-Stadt und werden hier auf neue Entdeckungen gehen, zum Beispiel in Cholon, dem chinesischen Viertel.

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