Genua – Prachtbauten und verwinkelte Gassen

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Teil 2:
Universität, Paläste, Kirchen – und Lebensalltag in einer mittelalterlich geprägten Altstadt

Vom Ponte dei Mille, an dem die Kreuzfahrtschiffe in Genua liegen, geht es am Alten Hafen vorbei, unter der Stadtautobahn hindurch, direkt in die Altstadt, hinein in die unzähligen kleinen engen Gassen, mitten in das aus unserer Sicht ziemlich chaotische Durcheinander von Häusern – anscheinend, ohne den Orientierungssinn ein wenig einzuschalten.

Enge Wege, kreuz und quer und plötzlich blicken wir zwischen den Häusern wieder hinunter auf das dort unübersehbar stehende Kreuzfahrtschiff am Ponte dei Mille. Wie auch immer, wir sind wieder in Richtung Schiff gegangen, und in der Via Balbi angekommen, einer der Prachtstraßen Genuas.

Auf und ab gehen wir die Straße, beeindruckt von den mächtigen Fassaden. Immer wieder ist es möglich, durch Tore und Eingänge einen Blick hinein in die Innenhöfe zu werfen, wo mehretagige Galeriegänge oder Gartenanlagen mit Skulpturen und Brunnenanlagen zu sehen sind. Und zwischen diesen Bauwerken oder in deren Erdgeschoss eine bunte Mischung – Cafés, Pizzerias, Konditoreien, ein Friseur, Lebensmittelläden, eine Metzgerei, eine Bar und mehr.

An dieser Straße liegt der Palazzo Royale, ein Palast aus dem beginnenden 17. Jahrhundert, gebaut von einer Genueser Patrizierfamilie. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde er zum königlichen Palast des Hauses Savoyen; es entstanden Thronsaal, Audienzraum und Ballsaal . Die Zeit, uns in diesem Palast umzusehen, haben wir uns leider noch nicht genommen. Das Gebäude ist mittlerweile Museum. In den Sälen ist das Mobiliar aus den vergangenen Jahrhunderten noch weitgehend erhalten, Wände und Decken tragen Fresken bedeutender Künstler, und am Palast schlendert man durch eine beeindruckende Gartenanlage. Eine ähnliche Gartenanlage hatten wir ja vom Schiff aus gesehen, den Garten der Villa Principe.

Rundum sind prächtige Bauwerke zu sehen, erstaunlich groß. Schräg gegenüber dem Palazzo Royale liegt die alte Universität, eine alte traditionsreiche Uni, gegründet durch Papst Sixtus IV. bereits im Jahre 1471. Wir gehen hinein, verhalten uns so, wie wenn wir dazu gehören würden. Unten am Eingang zur Straße empfangen uns zwei Marmorlöwen, dazwischen führt die Treppe hinauf zur Ebene der Vorlesungssäle. Mehr oder weniger verwinkelte Gänge führen zu den Räumen, allesamt im Flair vergangener Zeiten, mehr oder weniger mit modernerem Mobiliar versetzt. Einer der Säle, aus dem gerade noch Studierende gekommen sind, versetzt und noch richtig hinein in die Vergangenheit – ein alter Vorlesungssaal, bei dem man den Eindruck hat, man wäre im 19. Jahrhundert angekommen. Über Arkaden geht es weiter hoch, zu Seminarräumen, Vorlesungssälen und Büros, und noch weiter oben steht man auf einer Galerie – in die eine Richtung ein Aussichtsblick über die Dächer hinweg hinunter zum Hafen, auf der anderen Seite ist der Übergang in eine auf dieser Ebene liegende tropisch anmutende Gartenanlage, so steil steigt der Hang, an dem auch die Universität liegt, hier bereits an.

Direkt an der Straßenkreuzung, nach der es in die richtig alte Stadt hineingeht, steht die Kirche mit dem klingenden Namen Basilica della Santissima Annunziata del Vastato, ein Bauwerk aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts, das die Barockzeit über sich ergehen lassen musste und nun mit goldenem Dekor und farbenprächtigen Fresken glänzt. Erstaunt ist man, wenn nach grandiosem Gesamteindruck im Seitenschiff eine Fotodokumentation entdeckt und feststellen muss, dass all das, was zu sehen ist, ziemlich neu geschaffen wurde – bei Bombenangriffen der Alliierten auf Italien, das damals als faschistischer Staat auf der Seite der deutschen Nationalsozialisten Krieg führte, wurde 1942 und 1943 die Kirche weitgehend zerstört.

Jetzt geht es hinein in die wirkliche Altstadt. Enge Gassen, ältere Gebäude, dazwischen immer prachtvolle Palazzos, die Fassaden häufig mit Stuck gestaltet und verziert, und an vielen Häuserecken und Fassaden zeigt sich die kirchliche Tradition – Schutzpatrone, Heiligenbilder und Bibelszenen, in Stuck und Stein. Im Erdgeschoß gibt es ein buntes Gemisch unterschiedlichster Ladengeschäfte, teilweise noch in den historischen, schon mit dem Gebäude konzipierten Räumen, teilweise wenig rücksichtsvoll und unpassend eingeschlagen in die alten Fassaden, und bei den geschlossenen Geschäften die Fenster und Türen gesichert mit metallenen Rolltoren.

So ein wenig pflichtbewusst geht der Blick immer wieder die Fassaden hoch; immer mal wieder ist eine Heiligenfigur zu sehen. Weniger kunsthistorisch, eher vom Lebensalltag geprägt sind die Ladenschilder, und immer wieder ist ein kunstvoll geschmiedetes Gitter an einer Eingangstür oder an einem Fenster zu entdecken.

Aber so richtig faszinierend zeigt sich die vielfältige Auslage in den Lebensmittelgeschäften. Immer wieder bleibt man vor Geschäften stehen, die leckerst aussehende Antipasti anbieten, ob gefüllte Tintenfischtuben, Pulposalat, gegrilltes Gemüse, Lasagne zum fertig backen, genueser Gemüsetopf, mariniertes Fleisch, Vitello Tonnato, das Kalbfleisch mit Thunfischsauce, die besondere Vorspeise, die aber Zuhause einfach ziemlich aufwendig zum selbst machen wäre, oder auch das, was wir noch nicht kannten, Latte Dolce, aussehend wie eine etwas andere Pizza, eine gebackene süße Eiercreme.

Nicht zu vernachlässigen ist das Focaccia, das traditionelle Fladenbrot, mit Salz und Rosmarin oben drauf. Muss man essen; nur schade, dass man nach einer solchen Flade ziemlich satt ist. Wir entdecken eine Version, die mit dem typischen genueser Pesto verfeinert ist, das aus Basilikum, Pinienkernen, Knoblauch, Olivenöl, Salz sowie geriebenem Parmesan oder Pecorino hergestellt wird.

Zwischendurch heißt es noch, die Aussicht genießen. Wir sind angekommen am Palazzo Rosso. So richtig auf Museum haben wir keine Lust, aber wir entdecken einen Seiteneingang, der hinauf auf das Dach führt, bis ganz hinauf auf den Dachfirst. Von hoch oben hat man einen Rundumblick – auf die Straßen, Gassen und Plätze rundum, über die Dächer hinweg, auf den Hafen hinunter und ziemlich weit die Küste entlang. Am Ponte dei Mille liegt das Schiff, mit dem wir auch auf Fahrt gehen werden.

Wie immer in südlichen Ländern landet man auch in Genua irgendwann mitten im Häusermeer auf einem Markt, und auch wie immer zeigt sich eine faszinierende Auswahl und Qualität und Frische – aber darüber wird im nächsten Teil des Beitrags über Genua berichtet.

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