Halong Bucht – ein Traumziel im Wandel

Baustellen, Freizeitpark und überbordender Tourismus

Vietnam- und Kambodscha-Reise,
Bericht 13

Nach langer Fahrt mit dem Kleinbus sind wir angekommen an der Halong Bucht. Schon unterwegs waren schemenhaft in der Ferne einige steile Felsen zu sehen, Hügelketten, später dann Klippen ähnlich derer, die in der Halong Bucht vom Wasser umspült stehen. Selten wird eine Landschaft so einhellig als „Traumziel“ beschrieben und beeindruckend auf Fotos romantisch und zugleich abenteuerlich abgebildet wie die Halong Bucht. Auch wir sind gespannt darauf, was uns erwarten wird – auf die bizarren, zerklüfteten und steilen Kalksteinfelsen im südchinesischen Meer, auf das fast sagenumwobene Weltnaturerbe.

Aber so genau sehen wir die Landschaft nicht mehr, als wir in der Bucht im Ort Bãi Cháy ankommen, wo die Autobahn endet und zunächst einmal die Mautstelle zu durchfahren ist. Die Dämmerung geht schon langsam in Dunkelheit über, uns so sehen wir jetzt nur noch wenige Umrisse dessen, was uns so interessiert.

Kurz vor Bãi Cháy sehen die Orte noch sehr traditionell aus. Entlang der Straßen ist alles ziemlich betriebsam; oft sieht man kleine Märkte, und an den Ständen wird noch etwas für das Abendessen gebraten oder gekocht.

Auffallend schnell ändert sich die Szenerie, als es in den Ort hineingeht. Gleich am Ortseingang fallen unzählige Baustellen auf, den Bauschildern nach allesamt Hotelbauten – eigentlich ist es mehr eine riesengroße Baustelle, die wir sehen. Mittendrin in der Brachenlandschaft steht gleich eine erstaunlich große Veranstaltungshalle, vielleicht ist es auch ein Stadion.

Eigentlich sind wir auf der Uferpromenade, aber diese führt weitgehend gar nicht mehr am Ufer entlang; zum Meer hin wurde und wird umfangreich Land aufgeschüttet und zugleich bebaut – eng, relativ hoch, sehr gleichförmig. Dort, wo man aufgrund nicht ganz so alter Reportagen die Anlegestelle der Ausflugsboote vermutet, liegen diese längst nicht mehr – inzwischen wurde dafür ein modernes Terminal auf einer kleinen Insel etwas außerhalb des Ortes gebaut, die mit einer Brücke mit dem Land verbundenen ist.

Lange geht es durch diese Baustellenlandschaft, vorbei auch an dem Hotel, in dem wir wohnen werden, das auch erst vor kurzem entstanden sein dürfte. Für uns gibt es noch eine kleine Rundfahrt durch Bay Chai bei beginnender Dunkelheit, damit wir die ganze „Bescherung“ sehen können. Alles, was wir sehen, hat mit Natur-Idylle gar nichts zu tun.

Irgendwie wirkt das neue Stadtzentrum von Bay Chai, durch das wir fahren, wie eine Unterhaltungs-Retorten-Stadt an einem typischen asiatischen Urlaubsort, mit viel bunter und blinkender Leuchtreklame, kleinen Restaurants entlang der Straße, vielen Hotels, Spielhallen und bunten Souvenirshops – und diese sind auch in der Dämmerung sichtbar angefüllt mit all den Dingen, die der Mensch im Leben nicht benötigt, gefertigt meist aus grell-buntem Plastik, hektisch blinkend, eben Spielzeug und Unterhaltungsartikel, die vor allem Chinesen mögen.

Immer wieder sind irgendwelche sogenannte Freizeitattraktionen zu sehen, nicht nur die Spielhallen und kleinen Fahrgeschäfte entlang der Straße, sondern jetzt am Abend in der Dämmerung eher schemenhaft die riesengroßen und die Bucht dominierenden Einrichtungen des Freizeitparks – vor allem das Riesenrad, das hoch oben auf einem Berg thront, und zu dem eine Gondel führt, die die Kleinigkeit von 230 Passagieren fasst, bei Fahrt über einen Seitenarm der Bucht. Daneben befindet sich eine der steilsten und höchsten Achterbahnen Ostasiens, bei der es fast in den freien Fall geht. Und so weiter – Halong, das Weltkulturerbe, bereitet sich auf einen immer größeren Ansturm von Gästen aus dem asiatischen Raum vor. Die Grenze nach China ist hier nur etwa 180 km entfernt.

Uns reicht ein kurzer Stop an der Uferpromenade, um die ganze „Herrlichkeit“ zu „genießen“. Am Parkplatz entspannt sich unser vietnamesischer Reiseleiter kurz, indem er in die Hocke sitzt – und meint, dass Vietnamesen keine Stühle benötigen und auch kleine Hocker, wie man sie in all den Restaurants sieht, reiner Luxus seien; Vietnamesen wären es von Klein auf gewohnt, in der Hocke zu sitzen, was Europäern nach kurzer Zeit schon größte Probleme bereiten würde.

Es geht weiter zum Hotel. Über der Bucht schimmert noch etwas die Sonne. Bei all den Attraktionen um uns herum beschließen wir, keinen Abendspaziergang zu machen, uns das alles nicht anzutun, nur eine Kleinigkeit im Hotel zu essen und zu Bett zu gehen.

Am nächsten Morgen frühstücken wir im Hotel, inmitten vieler chinesischer Touristen. Das Angebot ist lecker, aber als Frühstück durchaus gewöhnungsbedürftig, weil doch ziemlich asiatisch geprägt. Von der Dachterrasse unseres Hotels aus  – wir sind auf der 14. Etage – sehen wir wieder die Großbaustellen entlang der Bucht, jetzt im Tageslicht.

Weit in die Ferne zu blicken, das ist im Morgendunst noch kaum möglich – man kann nur erahnen, dass etwas weiter auf dem Meer draußen dasjenige ist, weswegen man eigentlich hergekommen ist, die Kalksteinfelsen. 

Riesige Flächen direkt am Meer sind neu aufgeschüttet oder eingeebnet und werden für Bebauungen vorbereitet. In anderen Bereichen stehen mehr oder weniger fertige Bauten. Alles scheint vor nicht allzu langer Zeit begonnen zu sein, denn richtig fertig ist noch nicht viel. Alles, was steht, sind richtig große Hotelkomplexe.

Ganze Hotelsiedlungen schauen aus wie standardisierte Bauten – einmal ein Hotel entworfen, dann in Serie gebaut. So etwa 20 davon stehen schon wie eine Reihenhaussiedlung an der Hauptstraße, die vermutlich in diesem Bereich einmal die Uferstraße war, jedes sicherlich für ein paar hundert Gäste; unterscheiden tun sie sich nur in der Farbgebung. Eine weitere Serie davon ist geplant, worauf ein Bauschild hinweist, das wir später am vorbeifahren sehen.

Hinter dem Hotel, den Hügel hoch, mit kaum noch Sicht zum Meer, liegen fast schon versteckt ein paar wenige der älteren Wohngebäude und Hotels, Überreste des alten Städtchens.

Nach dem Frühstück geht es los. Lange fährt unser Bus über mehr oder weniger fertig gestellte Straßen durch die Baustellenlandschaft. Am Ufer zu sehen sind noch Überreste der bisher in der Bucht wichtigen Austern- und Muschelzuchtplätze. Wir kommen an an einem modernen Anleger für die Ausflugsboote zur Halong Bucht, die Hafenanlage umrahmt von Hotelanlagen.

Von unserem Ausflug in die Halong Bucht handelt unser nächster Reisebericht.

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