Halong Bucht – und der „Himmlische Palast“

Moderner Hafen, Fahrt mit dem Holzboot und eine faszinierende Höhle

Vietnam- und Kambodscha-Reise,
Bericht 14

Die Spannung steigt – endlich soll es los gehen, mit dem Schiff durch die Halong Bucht, oder wie es auf den Straßenschildern steht Vịnh Hạ Long. All das, was eher abgeschreckt hat, haben wir zumindest weitgehend hinter uns gelassen. Vorbei an den verbliebenen Austern- und Muschelzuchtplätzen ging es zum inzwischen ausgelagerten neuen Hafen auf der vorgelagerten Insel Đảo Tuần Châu, die über eine Brücke erreicht wird. Auch hier gehört die Halong-Bucht-Romantik sicherlich seit einigen Jahren der Vergangenheit an; auch diese Insel ist geprägt von Hotelbaustellen, die Hafenanlage ist neu entstanden, ebenso wie die den Hafen umrandenden Hotelanlagen.

Wir sind schon etwas überrascht von diesem Terminal, das an einen kleinen Flughafen erinnert – draußen ein großer Busparkplatz mit Hinweisschildern, drinnen Counter, Abfahrtstafeln und Wartesitze wie im Abfertigungsbereich eines Flughafens, und auch so zu nutzen, wie wir am Verhalten unseres Reiseleiters merken. Nach kurzem Warten wird unser Schiff aufgerufen, wir können durchgehen nicht zum Flugsteig, sondern zu den Booten.

Auf dem Weg zum Ausflugsboot spielt eine Musikgruppe, entlang aller Wege wird rege in Souvenir-Shops verkauft. Im Hafen stehen dicht gedrängt die Boote, die nachher in kurzen Zeitabständen hintereinander in die Bucht ausschwärmen werden.

Wir sehen, dass die Boote vor uns ziemlich dicht mit Passagieren gefüllt werden und hoffen, dass wir nicht in einem solch überfüllten „Kahn“ sitzen müssen – aber das Boot, mit dem wir fahren sollen, ist zunächst nicht auffindbar. Bei aller Überorganisation vorher zeigt sich angenehm wieder das „normale“ Leben.

Aber dann gibt es Grund zur Freude. Wirklich sehr angenehm: Wir sind nur eine kleine Gruppe mit sieben Personen, einschließlich Reiseleiter – und doch bekommen wir für unsere Fahrt in die Halong Bucht ein eigenes Ausflugsboot, das sicherlich 50 Personen fassen könnte.

Nach einer kleinen Entdeckungstour auf dem Schiff, mit einem kurzen Besuch beim Kapitän und in der Küche, wo später unser Mittagessen bereitet wird, geht es schon los.

Die Felsen in der Halong Bucht sind noch weit entfernt, sind im Morgendunst nur schemenhaft zu erkennen. Aus dem Hafen heraus geht es vorbei an den Hotels, dann an einigen Baustellen, schließlich auch an Neuaufschüttungen, wo Land für weitere Hotelbauten gewonnen wird.

Es ist ein richtiger Schwarm an Ausflugsbooten, der hinaus in die Bucht fährt. Unterwegs sind allerdings nicht nur Ausflugsboote und vereinzelt kleine Fischerboote, sondern auch kleine Frachter oder Baggerschiffe, die sicherlich für Material für die Küstenaufschüttungen sorgen.

Je weiter draußen wir auf dem Meer sind, desto klarer wird die Sicht. Teilweise wird der Schiffsverkehr so dicht, dass nicht nur kleine Leuchttürme warnen, sondern auch mittels Verkehrszeichen und Leuchtsignalen geregelt wird. Die Felsen der Halong Bucht, von denen wir anfangs nur die Umrisse sahen, werden immer deutlicher.

Unser Boot braucht nicht lange bis zum ersten größeren Fels, der nah umfahren und bei dem dann angelegt wird, zusammen mit vielen anderen Booten – unser Reiseleiter meint, sonst wären es noch viele mehr. Es gibt eine Höhle zu sehen, mitten im Kalksteinberg, entdeckt erst vor wenigen Jahren.

Entstanden ist diese Höhle aufgrund der Witterungsverhältnisse, die den Kalkstein auswuschen und zugleich für verschiedenste, bizarre Tropfsteine sorgten, um die sich inzwischen Legenden ranken. Der Name der Höhle Động Thiên Cung verspricht viel, er bedeutet „Himmlischer Palast“.

Es ist tatsächlich ein beeindruckender Palast, der sich in diesem Felsen entwickelt hat. Einfach unglaublich, was die Natur hier für geschaffen hat – geradezu spektakulär, eine Überforderung, weil man gar nicht weiß, wohin man zuerst schauen soll. Unterschiedlichste Formen, ein Farbenspiel mit allen Schattierungen von Weiß und Braun und Anthrazit, manchmal auch mit grünem Schimmer. Fast alles glänzend von Wassertropfen, die irgendwoher kommen, und wegen der hohen Luftfeuchtigkeit.

Der Weg schlängelt sich zwischen den Felsen und Tropfsteinen hindurch; nach jeder Kurve ändert sich die Szenerie, gibt es neue Eindrücke, und erst recht, wenn man nach einem der engen Durchgänge in einem anderen Höhlenbereich vor einer neuen Tropfstein-Halle steht.

Ohne die Phantasie sehr anstrengen zu müssen sieht man Figuren, Wasserfälle, Tiere, Flügel, Vorhänge, Landschaften – die Vietnamesen sehen hier Drachen und Geister.

Der Legende nach sind zwei Drachen zur Bucht hinabgestiegen, haben den kämpfenden Vietnamesen gegen die Chinesen beigestanden, und sich nach gewonnener Auseinandersetzung in die Bucht gestürzt und sind dort versteinert. Die beiden Drachen kann man jetzt, wenn man sich ein wenig anstrengt und die Steinformationen in der Höhle richtig interpretiert, entdecken.

Immer wieder gibt es in der weitläufigen Höhle Felsenbilder zu sehen, die an phantasievoll gestaltete Fabelwesen erinnern. Weit hinten in der Höhle schillern kleine Teiche, in denen sich Grünpflanzen anscheinend wohl fühlen. Eine eindrucksvolle Höhlenlandschaft, um die sich verständlicherweise viele Geschichten ranken.

Oben in einer Ecke stehen zum Beispiel auch zwei kleine Figuren, die man als Paar ansehen könnte, für Vietnamesen eine der wichtigsten Geschichten zu dieser Höhle. Die beiden wollten heiraten, die Elternhäuser waren dagegen. Sie gingen weg, führten ihr eigenes Leben, wohnten in der Höhle.

Er wollte nach langer Zeit die Eltern noch einmal sehen, ging ins Dorf zurück. Keiner erkannte ihn. Nach vielen Fragen erinnerte sich ein alter Mann an eine Erzählung, dass vor 300 Jahren ein junger Mann das Dorf verlassen habe, und auch an den Namen. Es war der Zurückgekehrte – der „Himmlische Palast“ schenkte langes Leben.

Vom Ausgang der Höhle aus haben wir einen schönen Blick über die kleine Bucht, in der jetzt schon recht viele Ausflugsschiffe liegen. Wir steigen wieder hinab zum Hafen; jetzt geht es auf Rundfahrt durch die Bucht – und wir freuen uns, denn die Sicht ist klarer geworden.

Es geht los, hinein in die zerklüftete Felsenlandschaft der Halong Bucht – und darüber geht es im nächsten Bericht.

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