Halong Bucht – Fischer und Felsen

Bootsfahrt zwischen bizarren Inseln und ein Fischer-Essen

Vietnam- und Kambodscha-Reise,
Bericht 15

Noch beeindruckt von der Karsthöhle geht es mit dem Boot los, hinein in die zerklüftete Felsenlandschaft der Halong Bucht. Schon kurz nach dem Ablegen rennen wir mehr oder weniger hin und her auf dem Schiff, von Backbord nach Steuerbord, von Heck zu Bug – was wir sehen ist so beeindruckend, dass man nicht so recht weiß, wo man zuerst hinschauen soll. Und wir sind begeistert, dass wir dieses Ausflugsboot ganz allein für unsere kleine Gruppe haben, so dass wir einfach dahin steuern können, wohin wir wollen.

Vor uns zeigt sich eine ziemlich wild zerklüftete Felsenlandschaft auf dem Wasser – große und kleine Inseln und Inselchen, meist in irgendeiner bizarren Form zum Himmel aufragend, etwa 2000 sollen es sein.

Eigentlich sind es weniger Felsen, die da zu sehen sind, es ist vielmehr ehemaliger Meeresgrund, Muschelkalk, der im Laufe der Erdgeschichte durch Verschiebungen der Erdplatten aufgeworfen wurde. Im weichen und porösen Gestein bildeten sich Höhlen, die immer wieder einstürzten und weiter Platz für eindringendes Wasser schufen; Witterung und Meer haben schließlich die jetzigen Formen geschaffen, die einem steten weiteren Wandel unterworfen sind. Heute noch ändert sich die Höhlenwelt der Halong Bucht laufend, damit auch die außen sichtbare Felslandschaft – und eine der Höhlen, die bis vor wenigen Jahren noch beliebtes Ausflugsziel war, ist inzwischen teils verschwunden, teils unbegehbar.

Viel interessanter als solch eher nüchterne Information klingen die Erzählungen und Sagen, die sich um die Entstehung der Bucht ranken – ähnlich sind alle, die wir gehört haben, und alle haben natürlich mit dem Drachen zu tun, schließlich ist es ja die Vịnh Hạ Long, die Bucht des absteigenden Drachens. Dieser Drache, der in den Hügeln vor der Küste ruhte, hat einst den bedrohten Vietnamesen geholfen; dabei tauchte er auch ins Meer ab und pflügte tiefe Furchen ins Land – zurück blieben die aus dem Wasser herausragenden Felsen der Halong Bucht.

Alternativ hört man von einer Drachenmutter mit Kindern, die den bedrohten Menschen dadurch half, dass sie 3000 Perlen ins Wasser warf, die zu den Felsen und damit zu Hindernissen heranwuchsen, so dass die Angreifer nicht mehr ins Land gelangen konnten.

In dieser vom Drachen geschaffenen Landschaft sind wir nun unterwegs. Zum Teil sind es Felsformationen, zum anderen sind es einzeln stehende, fast wie Skulpturen aussehende Felsblöcke. Viele davon haben Namen, wie wir immer mal wieder erzählt bekommen, ob dicker Daumen, zankende Henne oder wie auch immer. Alles sehr interessant anzuschauen, immer wieder eine Überraschung, welche Formen noch alle zu entdecken sind. Vor allem beeindruckend die unzähligen Felsen, die wie Theaterkulissen in mehreren Ebenen bis zum Horizont zu stehen scheinen.

Schade nur, dass das alles nur von Touristenbooten und einigen wenigen Fischern belebt ist; immer mal wieder ist auch eine Fischfarm zu sehen. Aber auch die interessantesten Felsen werden einmal langweilig, wenn sie in Unmengen auftreten. Es fehlen einfach die Menschen, die hier einmal gelebt haben. Die schwimmenden Dörfer sind weg, von der Regierung „verbannt“.

Die Halong Bucht hat ihren Reiz, den eben nicht nur die Felsen ausmachten, sondern mindestens genau so sehr die dort lebenden Menschen, etwas verloren. Es fehlt der lebendige Alltag. Schade – so lohnt eine Reise zur Halong Bucht kaum mehr. Gerade noch gut für einen kurzen Ausflug, wenn man sowieso vorbei kommen sollte. Zum Reiseleiter sage ich, dass wir wohl 30 Jahre zu spät gekommen seien, um die wirkliche Halong Bucht zu sehen – er meint, wir seien nur 10 Jahre zu spät dran.

Nebenbei: Interessant ist doch, wie das Internet Realitäten verschiebt. Werden Bilder zur Halong Bucht aufgerufen, gibt es anscheinend zeitlos geltende Fotos mit schwimmenden Dörfern und bunten Booten zu sehen. Dass die Realität inzwischen eine völlig andere ist, das lässt sich im angeblich immer so aktuellen Internet kaum entdecken.

Auf unserem Schiff wird inzwischen Mittagessen gekocht, in einer kleinen, doch ziemlich abenteuerlich aussehenden Küche, von zwei vietnamesischen Jungs. Aufgetragen wird eine Unmenge verschiedener Dinge, alles auf Platten und in Schüsseln, mitten auf den Tisch. Es gibt Tintenfisch und Taschenkrebse aus der Halong Bucht, sehr lecker, gebackene Fischstücke, ziemlich durch, Gemüse, Shrimps, Hähnchenstücke, Reis und noch so allerhand, alles typisch für die Region zubereitet, und wirklich sehr gut schmeckend. Damit wir uns nicht all zu sehr mit den Taschenkrebsen plagen müssen, gibt es eine kleine Vorführung unseres Reiseleiters, wie die möglichst einfach zu zerlegen sind.

Unser Ausflugsboot ist bereits wieder auf dem Rückweg, es geht hinaus aus der Felslandschaft, Richtung Hafen – mit Blick auf die Hochhauslandschaft. Hinter uns liegen die Felsen der Halong Bucht in der Mittagssonne, im Gegenlicht. Vor uns fallen vor allem die Hotelanlagen entlang der Bucht auf, die uns auch in Richtung Hafeneinfahrt immer näher kommen. Irgendwie passend zu dieser vom Tourismus geprägten Szenerie landet neben uns ein Wasserflugzeug.

Im Hafen angekommen, entdecken wir eher zufällig im Hafenbereich noch ein Wasserpuppentheater, und sehen uns ein paar Szenen an, die um den Reisanbau handeln.

Wir hatten einen schönen Tag in der Halong Bucht. Aber so ein wenig desillusioniert von dem, wie sich die Halong Bucht heute darstellt, geht es wieder zurück in Richtung Hanoi.

Der nächste Reisebericht handelt wieder von einem Erlebnis in Hanoi, von einem begeisternden Besuch im Wasserpuppentheater.

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