Hanoi – im Wasserpuppen-Theater

Mauer-Mosaik, Jadebergtempel und ein Schauspiel

Vietnam- und Kambodscha-Reise,
Bericht 16

Von der Halong Bucht aus geht es noch einmal zurück nach Hanoi, bevor wir in Richtung Südvietnam starten. Hier werden wir noch etwas Zeit haben, ein wenig die Atmosphäre in der Stadt genießen, und am Abend ins Wasserpuppentheater gehen.

Nach dem Frühstück fahren wir vom Hotel an der Halong Bucht auf der nicht sonderlich langen, aber zeitaufwendigen Strecke zurück zur Hauptstadt. Bereits früh am Morgen sind die Straßenküchen am Straßenrand schon geöffnet; Kinder und Jugendliche oder Arbeiter sind hier zu sehen, die ihre Frühstückssuppe essen. Auch die ersten Verkäufer sind schon unterwegs, die kleinen Märkte beginnen langsam, sich zu regen.

Die Hauptstraße zeigt sich bereits sehr geschäftig. Es wird allerhand auf ziemlich alten Lastwagen transportiert. Entlang der Straße sind einige Holzhändler zu sehen, bei denen riesige Baumstämme liegen oder verladen werden; anscheinend wird immer noch kräftig Tropenholz geschlagen.

Ein Zwischenstopp  wird beim schon bekannten Steinmetz-Café eingelegt – etwas anderes, bei dem es sich anzuhalten lohnt, scheint es entlang der Strecke nicht zu geben.

Entlang der Strecke sehen wir natürlich auch wieder die typischen schmal gebauten Häuser, bei denen man sich immer wieder die Frage stellt, wie wohl die Zimmer angeordnet sein mögen und wie viele Treppenstufen tagtäglich zu bewältigen sind. Im Erdgeschoss befinden sich wie immer meist Läden, Werkstätten oder auch mal eine Karaokebar.

Lange geht es über Land. Irgendwann kommen wir vom Geschaukel auf der Straße inzwischen ziemlich ermüdet in den Außenbezirken von Hanoi an – hier entsteht die moderne Wohnstadt, eine Ansammlung von Wolkenkratzern, die so gar nicht ins Stadtbild, das man sonst so sah, passen wollen.

Entlang der Einfahrtsstraße in die Stadt begleitet uns wieder die etwa 4 Kilometer die relativ hohe Abgrenzungs- und Stützmauer, komplett verziert mit Mosaiken, die Motive immer nach ein paar hundert Metern wechselnd, typische Landschaften, Blumen, Ornamente, Fische, Alltagsszenen.

Aber schnell ist man wieder in einem der typischen Altstadtviertel angelangt. Es folgt ein schneller Check-In im Hotel, noch für eine letzte Nacht in Hanoi, und gleich danach geht es am Nachmittag auf einen Spaziergang durch die Stadt.

Die erste Sehenswürdigkeit, die wir besichtigen, befindet sich mitten in der Stadt, und diese ist höchst beliebt – der Hoan Chiem See samt einer kleinen Insel. Hier liegt der Jadebergtempel Ngoc Son, zu dem eine geschwungene rote Brücke „The Huc“ führt.

Nach einer Legende erhielt ein armer Fischer von einer goldenen Schildkröte ein magisches Schwert, das ihn unbesiegbar machte, und mit dem er die Truppen der damaligen Besatzungsmacht China zurückschlug. Er siegte, wurde König, begab sich zum See,um den Göttern zu danken.

Die Schildkröte forderte das Schild zurück, das sich auflöste und sich zu einem Drachen verwandelte, der über dem See schwebte.  Die Schildkröte wurde zum Schutzgeist des Sees, und der junge König Le Roi ließ auf der kleinen Insel im See einen dreistöckigen Schildkrötenturm errichten. Dieser ist heute noch ein Wahrzeichen von Hanoi – und im See lebten tatsächlich Riesenschildkröten. Eine verstarb 1968, war 250 Kilo schwer und geschätzt 400 Jahre alt; sie steht jetzt mumifiziert beim Tempel. Ein anderes Exemplar, vermutlich das letzte seiner Art, lebte im See bis 2016.

Rund um den See werden Souvenirs verkauft, vor allem sehr filigran gestaltete Klapp-Postkarten mit allerhand Motiven – Schiffe, Drachen, Häuser, Pagoden, Rikschas, oder auch touristische Attraktionen. Die rote Brücke scheint ein beliebter Hintergrund für besondere Erinnerungsfotos zu sein; wir sehen gleich mehrere Hochzeitspaare.

Ganz in der Nähe befindet sich das Wasserpuppentheater – so etwas gibt es nur in Vietnam, eine besondere Attraktion.  Wir hatten schon am Anleger der Halong Bucht einen kleinen Eindruck davon bekommen. Die Musik am Vormittag bei unserem „Vorgeschmack“ war für unsere Ohren ein höllischer Lärm, in Höhenlagen, die unsere Ohren sonst nie zu hören bekommen, dazu ein paar Figuren, die im Wasser Kapriolen drehen und ein bisschen spritzen.

Also gespannte Erwartungshaltung, was da jetzt auf uns zukommen wird. Lydia beschloss, für die Vorstellung Ohropax einzupacken, da unser Reiseleiter meinte, eine Wassertheater-Vorstellung wäre immer schrill und laut.

Im Kassenraum gibt es eine kleine Ausstellung mit Puppen, wie sie im Theater eingesetzt werden. Die erste Überraschung zeigt sich dann im Theaterraum – ein ziemlich großes Wasserbecken, der Spielbereich, und links und rechts davon zwei Bühnen mit Instrumenten. Es wird also keine Musik aus der „Konserve“ geben, sondern eine Show mit Livemusik.

Dann der Auftritt des Orchesters. Attraktive Damen, hübsch ausstaffiert mit aufwändigen Zopffrisuren und bunten vietnamesischen Kleidern, gehen zu den Instrumenten, ebenso einige Herren, auch prächtig gekleidet. Die Instrumente, die sie einstimmen, sehen bis auf die Schlaginstrumente doch sehr fremdartig aus und klingen auch so.

Ganz vorne sitzt eine bezaubernde Dame, die später einem Ein-Saiten-Instrument die höchsten Töne herauslockte und diese variierte. Mit einem Stab am Ende einer gespannten Saite und einer Art Grammophontrichter konnte sie mit vibrierenden Bewegungen auch Hall und Tonverschiebungen erzeugen. Ein für uns unbekannter, aber sehr schöner hoher und erstaunlich angenehmer Klang.

Zur Einstimmung spielt das Orchester. Eine Sprecherin stellt die Akteure vor, die Sprache in seltsam überzogenen hohen Tönen, alles wohlklingend, nicht sonderlich laut, aber sehr fremd anmutend. Es geht los mit dem Wasserpuppentheater – geboten wird kein langes Stück, es sind vielmehr viele kleine Episoden über Alltag und Legenden. Gespielt wird mit einer Art Stabfigurenpuppen in einem Wasserbecken; die Puppen werden unter Wasser mit langen Bambusstangen geführt. Die Spielerinnen und Spieler stehen hinter einem Vorhang, bis zu den Hüften im Wasser.

Zu Beginn der Auftritt der ersten Puppe, es war wohl der Ansager. Auf dem Wasser wird gespielt, oben vom Orchester kommen der Text und die passende Musik. Dann der Auftritt der Drachen. Sie schlängeln sich durch das Wasser, speien Fontänen und gebärden sich ziemlich wild. Richtig in Rage geraten spuckten sie Feuer und nebelten die ganze Bühne ein, ein richtiges kleines Spektakel.

Danach kam eine ruhigere Szene. Spielende Kinder schwammen durch das Wasser und neckten sich. Die nächste Szene wieder quirliger. Ein Fischer und seine Frau versuchten Fische zu fangen. Ein auf und ab und hin und her, eine Jagd mit Angeln und Reusen, und immer waren die Fische geschickter. Dann gab es eine Episode vom Bauernhof. Eine Entenfamilie schwimmt friedlich auf dem Wasser, ein Fuchs will sich eine der Enten holen. Der Bauer bemerkt dies und versucht mit Hilfe seiner Frau den Fuchs zu erwischen. Nutzte aber alles nichts, der Fuchs entkam mit seiner Beute. – Erstaunlich, welch vielfältige und fast schon realistische Bewegungen mit den Stabpuppen möglich sind.

Jetzt wurde es auf dem Wasser festlich und feierlich – eine prächtige Prozession, allen voran Fahnenträger, bewegte sich durch das Wasser, mit Reitern, Prinzessinnen, Würdenträgern, dazu getragene Musik. In der nächsten Szene wird um die Wette gerudert. Blau gegen Rot gegen Weiß. Jeweils sechs Ruderer und ein Steuermann. Man konnte der rasanten Fahrt kaum mit den Augen folgen.

Nun war das bestellen der Felder mit Reis an der Reihe. Vom Setzlinge ausbringen bis zur Reisernte wurden alle wichtigen Stationen des Reisanbaus vorgeführt. Die nächste Szene war besonders eindrücklich. Eine königliche Prozession bewegt sich ehrfürchtig im Tross durch das Wasser. Mit Untertanen, reich gekleideten Würdenträgern und sogar Pferden. Ganz zum Schluss dann der Tanz der Grazien. Ein Wasserballett für sechs Damen und zwei Vortänzerinnen. Erstaunlich, wie grazil und harmonisch sich die Figuren bewegten. Man konnte sich kaum vorstellen, dass jede Puppe ihren eigenen Spieler hatte, da es so gut synchron getanzt war.

Alle Szenen wurden übrigens nicht nur mit den Instrumenten begleitet, sondern auch durch Gesang und Text und extra erzeugten Geräuschen von zwei Frauen und zwei Männern. Passend zum Spiel gab es einen Singsang in für uns eher quietschenden Tonlagen, der sich anhörte, als würden sich die Puppen unterhalten. Das größte Erstaunen kam aber zum Schluss, als überraschend viele Spielerinnen und Spieler vor den Vorhang traten und sich verneigten.

Ob nur unterhaltend oder auch belehrend – wir können da nur Vermutungen anstellen. Aber alles in allem ein kurzweilig wunderhübsch anzusehendes Wassertheater mit sehr ungewöhnlicher wohltönender Musik, die wir sicher lange in Erinnerung behalten werden.

Nach der Veranstaltung ist es draußen dunkel. Wir spazieren entlang der geschäftigen Straßen in Richtung Hotel. Gleich beim Start sehen wir die rote Brücke The Huc, nun bei Nacht, jetzt auch strahlend rot beleuchtet. Wir machen nach einen langen Nachtspaziergang durch die Stadt, worüber wir das nächste Mal berichten.

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