Hué bei Nacht

Nachtmarkt, reges Leben und bunte Lichterwelt

Vietnam- und Kambodscha-Reise,
Bericht 22

Hue bei Nacht – so ein wenig wollen wir am Abend noch die Stadt entdecken, warum also nicht ab zum Nachtmarkt, auf der anderen Seite des Flusses, und danach ein wenig durch die Stadt schlendern. Vor dem Hotel stehen Rikschas, und so wählen wir den bequemeren Weg und genießen die Aussicht aus der vorderen Reihe, während hinter uns einer die Pedale betätigt.

Der Nachtmarkt, den wir zuerst ansteuern, zeigt sich ziemlich chaotisch und hektisch, ein fast irrwitziges Durcheinander von allem, was man sich denken kann.

Man sieht Obst, Gemüse, Souvenirs, Gewürze, Fisch, Fleisch, Frisör, Schmuck, Kleidung, Leder, lebende Hühner neben Schlachttischen, Haushaltswaren, Blumen, dazwischen ein paar Garküchen, alles etwas ärmlich.

Dazwischen einige Händler, Frauen wie Männer, die extrem lästig versuchen, irgendwelche Schals und T-Shirts oder andere Touristenware los zu werden – keine angenehme Atmosphäre, eher die Stimmung, dass noch schnell etwas verkauft werden muss, bevor der Tag zu Ende geht, egal wie. Das machte uns wirklich keinen Spaß.

Wir verlassen den Nachtmarkt schnell und gerne wieder, und gehen einfach los, eine der endlos lang wirkenden Einkaufsstraßen lang, die um die Zitadelle von Hué führen. Inzwischen ist es richtig dunkel geworden – die leuchtenden Reklameschilder schaffen eine besondere Atmosphäre.

Hier gibt es nicht nur viele Garküchen, sondern auch eine bunte Mischung an Waren, insbesondere viele Geschäfte mit Unterhaltungselektronik, vor allem riesige Anlagen und Boxen für Karaoke.

Dazwischen liegen natürlich wie immer Läden mit Kleidung, Stoffen, Blumen, dann mal eine Apotheke mit vielen merkwürdigen Dingen in der Auslage, ob getrocknet oder eingelegt, einschließlich einiger Körperteile von Tieren oder Skorpione oder Schlangen. Das alles muss wohl helfen, sonst würde es nicht in den Mengen verkauft.

Zwischendrin entdecken wir einen unscheinbaren kleinen Laden, in dem gerade Körner gemahlen werden – wir dürfen probieren, schmeckt nach Sesam. Einige Hauseingänge stehen offen und lassen einen Blick in die oft direkt dahinter liegenden Wohnzimmer zu.

In einer der Seitenstraßen werden vorwiegend Stoffe verkauft; die Schneiderläden liegen meist gleich nebenan – von einfachster Näherei bis zur hochwertigen Damen- und Herrenschneiderei.

Es scheint auch die Zeit zu sein, zum Friseur zu gehen; es gibt nicht nur auffallend viele Friseur-Läden mit zum Teil abenteuerlich aussehender Ausstattung, sondern in diesen auch rege Betriebsamkeit.

Inzwischen ist es richtig dunkel geworden. An den Hausaltären der Wohnhäuser entlang der Seitenstraße, durch die wir jetzt gehen, zünden einige Leute Räucherstäbchen an, beten auch. Verwundert sind wir, dass aus einigen Häusern Leute kommen, die kleine Feuer auf der Straße anzünden.

Später erfahren wir, dass dies morgens und abends Brauch sei, und dass die Feuer auf der Straße mit besonderem Papier gemacht würden, mit ganz konkreten Wünschen beschriftet für alle, die in der Straße gestorben seien – wer einen der Wünsche brauchen würde, könnte ihn dann aufnehmen.

Um den langen Rückweg wenigstens ein wenig abzukürzen biegen wir in eine kleine Seitenstraße ab, auf der zunächst noch einiges los ist, vor allem Straßenküchen und einige kleinere Ladengeschäfte, dazwischen immer wieder auch ein das eine oder andere repräsentative Gebäude, eines davon an Plakaten erkennbar ein Museum.

Aber dann wird die Straßenbeleuchtung immer spärlicher, der Fußgängerweg holperiger und auch vermüllt, und viele Gebäude entlang der Straße haben nicht nur Werbung als Karaoke-Bar außen dran, sondern sind auch anders als sonst beleuchtet, oft ziemlich schummerig. Alles leicht zwielichtig …

Etwas müde vom langen Gehen und doch etwas unsicher darüber, wo wir da wohl hingekommen sind, nehmen wir gerne eine der Rikschas, die vorbei kommen, um zum Hotel zurückzufahren. Es ist tatsächlich eines der Fahrzeuge für zwei Personen, auf denen man hintereinander sitzt. Wir schauen uns den kleinen schmalen Fahrer der Rikscha an – und wollen nicht mitfahren. Er besteht drauf, und so muss er dann wohl mit nicht ganz kleiner Last auf der Fahrt durch die Stadt heftig arbeiten.

Vorbei geht es wieder an der Zitadelle, die wir fast zur Hälfte umrunden müssen. Unser Fahrer steuert merkwürdigerweise an „unserer“ Brücke zum Hotel vorbei, möchte uns noch etwas zeigen – es ist der mit einem lila Lichterkranz umgrenzte beleuchtete Haupteingang zur Zitadelle. Neben der Zitadelle geht es noch auf eine Aussichtsplattform, gestaltet wie eine kleine Pagode, anscheinend ein sehr beliebter Standort für Erinnerungsfotos aller Art.

Wie zu erwarten war kam dann das Angebot für eine abendliche Lichterfahrt, rund um den Komplex. Eigentlich wollen wir nicht, aber lassen uns dann doch überreden. Es geht noch auf eine lange Fahrt durch das teilweise bunt beleuchtete Hué.

Unser Fahrer hält immer mal wieder an, um uns etwas zu zeigen – und um das eine oder andere Foto von uns zu machen.

Die Mauern der Zitadelle sind rundherum mit Lichterketten umgrenzt. Büsche und Bäume strahlen in neongrün. Über den Straßen hängen Lichterketten, Sterne und Leuchtblumen.

Inzwischen ist es ziemlich spät am Abend – und wir haben noch nicht zu Abend gegessen. Über die Brücke geht es zurück zum Hotel; auf dem Fluss sehen wir noch Ausflugsboote, auf denen gesungen und gefeiert wird. Irgend ein Fest scheint es zu geben, denn über die Straße vor dem Hotel spannen sich viele grüne Leuchtbögen mit Blumenmustern, und obenauf steht immer irgendein Text.

Wir entscheiden uns für ein kleines Abendessen im Hotel, darunter kleine Frühlingsrollen an einer Leucht-Ananas, Reis-Waffeln, Sesam-Zitronengras-Spießen, Wasserspinat und Röstfleisch mit Cashew-Kernen.

Ziemlich müde geht es zu Bett. Am nächsten Tag heißt es früh aufstehen – wir fahren mit unserem Kleinbus weiter in Richtung Südvietnam – und darüber handelt der nächste Reisebericht.

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