Flut-Katastrophe im Ahrtal – Schutt, Staub, Trauer und ein wenig Hoffnung

Vier Wochen, nachdem die Flutwelle durch Bad Neuenahr rauschte. Wir kamen aus Richtung Heppingen wo wir noch einen kurzen Halt eingelegt haben und durch das breite Kiesbett gegangen sind, das die Ahr geschaffen hat.

Fast wie ein Wildwasser sieht es aus, wie sich die Ahr hier gebärdet. Versorgungsleitungen, die unter dem Flussbett eingegraben waren, hängen jetzt über dem Fluss.

Was wie das Bett eine breiten Flusses aussieht, waren vor wenigen Wochen grüne Wiesen, mit zum Teil altem Baumbestand. Einen seltsamen Kontrast liefern jetzt die akkurat gepflegten Weinberge.

Ein griechisches Restaurant – es war einmal …

Im Ortsteil Green kommen wir vorbei am Restaurant Kreta, unserem „Lieblings-Griechen“, beim immer freundlichen Kostas. Das Haus steht noch, das ganze Mobiliar liegt als großer Müllberg an der Straße. Der kleine Garten, in dem wir vor kurzem noch gesessen sind und hervorragende Calamari vom Grill gegessen haben – dahin. Kostas wird sein Restaurant nicht wieder aufmachen und nach Griechenland zurück kehren. Schade, eine Attraktion und ein gutes Restaurant weniger. Ihn hat die Flut die Existenzgrundlage gekostet – für uns ist es so ein wenig wie ein Jammern auf hohem Niveau, da wir künftig nur sein gutes griechisches Essen vermissen werden. Leider muss man befürchten, dass viele andere kleine Restaurants auch keine Zukunftschancen mehr sehen.

Für uns geht es durch die kleinen, älteren Wohnstraßen, vorbei an Schrott- und Müllbergen, an vielen mehr oder weniger zerstörten Häusern. Wir kommen tatsächlich zum ersten Mal seit der Flut wieder etwas mehr in Richtung der eigentlichen Innenstadt, bleiben aber eher im Randbereich.

Am Rande einer „Geisterstadt“ …

Mitten hinein in die Stadt, in die Fußgängerzone, wollen wir nicht – uns reicht, was wir hier in den Straßen, die wir zügig durchfahren, sehen. Es ist so ein wenig eine Geisterstadt, nicht mehr der Innenstadtbereich, in dem man einkaufen und auch gut ausgehen konnte – mit vielen Ladengeschäften, Restaurants, Cafès, Eisdielen, Bäckereien, Metzgereien und mehr.

Jetzt prägen entkernte Läden und Restaurants, Schutt vor den Gebäuden, zerstörte Fensterfronten, schlammverschmierte Wände, teilweise aufgerissene und staubige Straßen das Bild. Viele Fensteröffnungen, bei denen die Fensterscheiben ganz geblieben sind, wurden mit Holzplatten verschlossen.

Einige Geschäfte sind bereits komplett entkernt, andere noch im Zustand weitgehender Zerstörung. Vom Imbiss an der Straßenecke sind gerade noch die tragenden Säulen für das Obergeschoss verblieben.

Sind Schaufenster noch vorhanden, sind sie voller Schmutz – und dahinter hört man bestenfalls Generatoren und Bautrockner beim Versuch, die völlig durchnässten Wände und Böden zu trocknen. Überall ist Schmutz und Staub, der bei jedem Schritt aufwirbelt, so dass man froh ist, eine Atemmaske zu tragen – an Saubermachen denkt noch lange keiner, jetzt ist erst noch Entsorgung und Rettung der Bausubstanz angesagt

Wiedervereinigung an der Ahr …

Einige Wochen war ja Bad Neuenahr eine durch die Ahr geteilte Stadt – keine Brücke führte mehr vom Kurviertel aus, dem Stadtbereich, in dem wir wohnten, auf die andere Seite des Flusses, zur eigentlichen Innenstadt.

Aber jetzt geht es für uns nicht mehr auf langen Umwegen zur Wohnung, sondern direkt hinüber über die Ahr, über die neue Behelfsbrücke, die als Ersatz für die weggeschwemmte Landgrafenbrücke über den Fluss führt. Zwischenzeitlich wurde hier sogar eine kleine Personenfähre eingesetzt, um die beiden Stadtteile zu verbinden.

Das einzig höhere Gebäude im Stadtbereich, die Reha-Klinik, die sich hier befindet, wirkt jetzt noch mehr wie ein Fremdkörper inmitten all der Provisorien. Der Eingangsbereich zur Klinik veranschaulicht, dass auch hier wohl längere Zeit nicht mit einer Wiederaufnahme des Betriebs zu rechnen ist. Auf der anderen Seite des Flusses mussten Teile des Parkhauses der Ahrtherme der neuen Brückenzufahrt weichen.

Neben der neuen Brücke liegen auf beiden Seiten des Flusses noch Überreste der alten Brücke. Mit Kerzen wird hier auch an die vielen Opfer der Flutkatastrophe erinnert.

Und wieder einmal sind wir noch mehr erschrocken, von dem, was wir sehen, als wir über die Brücke kommen. Hier ist einer der Stadtbereiche, die mit am schwersten von der Flut heimgesucht wurden.

Beim ersten Blick lenkt der strahlende Sonnenschein ab von dem, was sich in den Straßen im Detail zeigt. Man sieht, dass in der Zwischenzeit viel getan wurde; die großen Müllberge sind inzwischen weitgehend verschwunden. Aber man hat nicht den Eindruck, dass es wirklich besser geworden ist oder alles gar schon wieder so weit wäre, dass das Alltagsleben wieder einigermaßen einkehren könnte.

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