Am Niederrhein und im Rheindelta

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Altbekannte Ziele neu entdeckt

Die Zeit der Flusskreuzfahrten hat wieder begonnen – die Auswahl der Strecken, die bereits gut befahren werden können, ist noch begrenzt, und einige Ziele werden wohl noch lange Zeit ausfallen. Also sind es die „altbekannten“ Ziele, am Rhein und an der Donau, dazu die Nebenflüsse und Verbindungsstrecken über Kanäle, auf denen die Flusskreuzfahrtschiffe vor allem unterwegs sind. Am Rhein sind es dann vor allem die Städte in Holland, die angesteuert werden, wie zum Beispiel Amsterdam oder Rotterdam, oder auch „kleinere“ Ziele am Ijsselmeer oder irgendwo im Rheindelta.

Viele werden sagen: Nicht schon wieder, wirklich nichts Neues – aber es gibt auch auf diesen Strecken noch viel zu entdecken. Wir haben das zum Beispiel auf einer Kurzreise auf dem Rhein ausprobiert, mit der MS Aurelia von Phoenixreisen.

Los geht es am Nachmittag in Köln, bei strahlendem Sonnenschein vorbei an den Industrieanlagen in Leverkusen, die auf ihre Art wie Kunstwerke wirken, dann an Düsseldorf. Über Nacht geht es dann direkt bis nach Amsterdam.

Amsterdam – das ist nicht nur die quirlige Innenstadt oder eine Fahrt mit dem Grachtenboot, da gibt es selbst bei regnerischem Wetter weit mehr zu entdecken.

Gleich beim Bahnhof das ehemalige Repräsentationsgebäude Holländischer Schifffahrtsgesellschaften, ein schmuckvolles Musterbeispiel für die Zeit des Art Nouveau, umgesetzt unzählige maritime Motive, Wellen, Fische, Schiffe, überall im Licht strahlenden Glasmalereien.

Jetzt ist es das Grand Hotel Amrath – und wer sich hinein begibt auf einen Kaffee, hat Zeit auch noch für die einige Räumlichkeiten drinnen, insbesondere das prachtvolle Atrium. Im botanischen Garten geht es in hohen Gewächshäusern durch Pflanzenwelten – und wer ein wenig genauer nachschaut, entdeckt im Garten ein kleines Gewächshaus voller Schmetterlinge.

Nicht weit entfernt liegt die alte portugiesische Synagoge, ein erstaunlich großes Bauwerk auf dem 17. Jahrhundert, in der Umfriedung der Kerzenraum, der Waschraum oder die Schatzkammer, und vor allem im Eingangsbereich ein freundlicher Herr, der auf Nachfrage all das erklärt. 

Im Tropenmuseum, das auch in der Nähe liegt, sind stets höchst interessante Ausstellungen zu sehen – als wir jetzt da waren, gab es eine sehr ungewöhnliche Ausstellung zum Thema „Heilende Kraft“ – quer durch alle Kulturen. Aber auch das Gebäude selbst ist schon sehenswert.

Spielt das Wetter nicht mit, kann es auf kleine Rundfahrt mit der Straßenbahn gehen, quer durch die Stadt, durch verschiedenste Viertel, wieder hinein in die Innenstadt. Immer unterhaltsam ist der Weg durch das mehr chinesisch geprägte Viertel in Richtung Bahnhof, wo auch der Liegeplatz der Flusskreuzfahrtschiffe ist, vorbei an den neuen stylischen Museen – und wer mutig genug ist, probiert unterwegs noch ein Stück von der „Schaufenster-Ente“.

Man glaubt es nicht – auch bei Flusskreuzfahrten kann es wegen schlechter Wetterbedingungen Umroutungen geben. Für uns hieß das: Nicht hinaus aufs Ijsselmeer, sondern zu einem neuen Ziel, nach Utrecht. Der misstrauische Blick am Morgen aus dem Fenster zeigt: Schnee in Holland, im April. Also kaum das Wetter für lange Spaziergänge. Etwas skeptisch gelaunt geht es hinein in die Stadt – das moderne riesige Einkaufszentrum, für das ein ganzes altes Stadtviertel weichen musste, kann uns nicht sonderlich begeistern.

Wir nehmen und ein Museum vor, das man sonst nicht ansteuern würde, das Museum Speelklok, und sind unversehens ein paar Straßen weiter angekommen in der „alten Stadt“. Untergebracht ist das Spieluhrenmuseum in einer nicht mehr benötigten alten Kirche. Also stilvolle Umgebung, mit einer Vielzahl höchst ungewöhnlicher Spielorgeln, Pianolas, Glockenspielen, Orchestrions und mehr. Wir verbringen hier sehr viel Zeit, um all das anzusehen und vor allem dem Sound der mechanischen Instrumente vergangener Zeiten zu hören, ob Tanzmusik der 20er-Jahre, Jahrmarktsorgeln in Größe von Kirchenorgeln, Klavieren mit Saloonmusik oder fein metallisch klingende Spieluhren und Glöckchen. 

Auch die Stadt kann sich sehen lassen, Grachten, verwinkelte Gassen und schmucke Patrizierhäuser – aber für uns nicht lange, den der Wind pfeift durch die Straßen und es schneit nicht mehr, es regnet, und zwischendurch kommt gar die Sonne ein wenig durch.

Somit beschränken wir uns mehr auf einige der vielen Schokoladen- und Pralinengeschäfte, die nicht nur verkaufen, sondern bei denen man auch einen Blick auf die Produktion werfen kann.

Über Nacht geht die Fahrt nach Rotterdam. Kurz vor der Stadt geht es vorbei an den Windmühlen von Kinderdijk, mit denen einst das Wasser aus dem Gebiet hinter den Deichen gepumpt wurde.

Rotterdam ist immer ein besonderes Erlebnis – die Skyline, die alte Hubbrücke De Hef, das ehemalige Abfertigungsgebäude der Holland-America-Line, in dem jetzt das New York Hotel stilvoll untergebracht ist, der klassische Kreuzfahrer MS Rotterdam, jetzt ein Hotelschiff, die Markthalle, die Kubushäuser und viel mehr.

Wir sind dieses mal bei einem nur kurzen Aufenthalt wieder durch das alte Witte de With-Viertel mit der etwas wilden, chaotischen Mischung von Läden, Cafès und kleinen Restaurants gegangen, einen Blick in das Restaurant und Hotel Bazar geworfen, somit einmal einfach übergewechselt in eine Szenerie, die man auch in Marokko finden könnte.

Noch etwas kreuz und quer durch die Stadt, und noch ein kurzer Stop im Wereldmuseum, das sich normalerweise immer lohnt, aber gerade war Ausstellungswechsel – und somit sind nur einige wenige Exponate zu sehen, eines davon eine afrikanische Krokodil-Tanzmaske, anmutend wie ein außerirdisches Fluggerät.

Kaum jemand ist wohl der Ort Gorinchem bekannt – es ist ein schmuckes Örtchen, die Altstadt sternförmig mit einer Deichmauer umgrenzt.

Aber leider ist bei diesem Stop das Wetter auch so, dass wir eher durch die schmalen Straßen rennen, das eine oder andere schöne Gebäude ansehen, zügig entlang der Gracht gehen.

Ein Blick in das skurrile Feuerwehrmuseum ist noch möglich, aber es schließt leider nach wenigen Minuten. Wieder geht es einer Patisserie vorbei, und in einer Chocolaterie werden noch ein paar Pralinen gekauft, aber das Wetter ist leider so, dass man gerne schnell wieder auf dem Schiff verschwindet. 

Am nächsten Morgen geht es den Niederrhein hinauf, in Richtung Arnheim. Zwischendurch verwöhnt uns immer mal wieder kurz die Sonne – und das Flussufer bietet Sandstrände, als wäre man irgendwo an der Nordsee oder Ostsee angekommen. 

Rechtzeitig zu unserer Ankunft in Arnheim ziehen wieder dicke Regenwolken auf. Wir genießen noch ein paar Sonnenstrahlen bei einem Capuccino vor einem kleinen alternativen Cafè, und man merkt auch hier wie vorher schon in anderen Läden und Patisserien und Cafès an der Atmosphäre, dass die meist jungen Leute, die hier werkeln, sichtlich Freude an ihrer Arbeit haben. Arnheim ist ja eher bekannt durch den Zoo – aber die Stadt hat weit mehr zu bieten, schöne alte Gebäude, in vielen Häusern drinnen tolle Restaurants und ungewöhnliche Bars.

Vor allem in vielen Seitengassen haben sich Handwerker, Spielwarenläden und Handarbeitsgeschäfte niedergelassen, und noch viel mehr Galerien und Geschäfte, mit oft skurriler Kunst und Antiquitäten – und vieles davon wirkt erst richtig durch die Spiegelungen, ob die Gegenstände in den Schaufenstern selbst oder die Häuserfassaden entlang der Straße. Nicht sonderlich überraschend ist es, dass sich etwas für einen Kirchenraum ungewöhnliche Kunstwerke auch in der Eusebiuskerk finden.

Die Eusebiuskerk erweckt den Eindruck, als wäre sie noch aus dem 15. Jahrhundert. Wir hatten Gelegenheit mit einer Dame zu sprechen, die einiges zur Geschichte des Domes erzählen konnte – und es stellte sich heraus, dass er wie viele der Gebäude im Stadtzentrum im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört wurde, und von den Bewohnern Arnheims innerhalb von drei Jahren wieder aufgebaut wurde; oben im Gewölbe steht jetzt die Jahreszahl 1948. In der kargen Ausstattung des Gebäudes fällt das Prunkgrab auf – auch das hat eine besondere Geschichte. Die Dame erzählt, dass dieses den Arnheimern so wichtig war, dass sie es im Krieg komplett in Beton eingossen; erst vor kurzer Zeit sei es wieder freigelegt worden.

Schon zu Ende, unsere Kurzreise. Verbleiben noch ein paar Anmerkungen zur Schiffsreise insgesamt: Die Route hat gestimmt, auch die Liegezeiten, manchmal hätte man sich noch längere Aufenthalte gewünscht. Das Schiff, die MS Aurelia, gehört zwar schon zu den moderneren Schiffen, ist aber unter diesen doch schon so ein wenig ein „Schätzchen“, aber insgesamt in Ordnung – wer es moderner mag, sollte sich auf gleicher oder ähnlicher Strecke zum Beispiel für die MS Antonia oder die MS Andrea entscheiden. Wie immer bei Phoenixreisen wurde man an Bord hervorragend betreut, von einer freundlichen, netten Crew, ob von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Restaurant, Bar und Kabinenservice, den Matrosen oder der Schiffsleitung, vom Kapitän über die anderen Verantwortungsträger bis zur Phoenix-Bordreiseleiterin. Das Essen war eher traditionell, aber ausgezeichnet gemacht – der Koch hat Spaß am kochen, schmeckt man und sieht man ihm auch an, er könnte auch als kochender Alleinunterhalter antreten.

(Foto ©Phoenixreisen)

Also zusammengefasst: Eine schöne Reise, die man so empfehlen kann, auch für eine kleine Auszeit zwischendurch. Und selbst diejenigen, die davon überzeugt sind, dass sie auf einer solchen Strecke schon alles gesehen hätten, werden überrascht sein, was es abseits der üblichen Wege noch alles an Neuem zu entdecken gibt.

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