Von Bremerhaven nach Esbjerg und Fanø

Nordsee-Reise mit der MS Deutschland – Bericht 1

Start auf eine Kreuzfahrt ins südliche Norwegen, von Bremerhaven aus, auf einer besonderen Route. Es soll auf Entdeckerreise gehen, vor allem zu Zielen, die sonst selten in den Kreuzfahrtprogrammen stehen, und unter anderem hinein in einige Fjorde, die nur mit einem kleineren Schiff befahren werden können.

Wir haben uns wieder einmal die MS Deutschland für diese Reise ausgesucht – das kleine, stilvolle klassische Kreuzfahrtschiff, das für Phoenixreisen aus Bonn unterwegs ist, meist auf besonderen, ungewöhnlichen Routen.

Los geht es in Bremerhaven, bei strahlendem Sonnenschein, von der Columbuskaje, dem Kreuzfahrtterminal.

Vorbei führt die Fahrt am Containerterminal, einem der größten in Europa. Hier legen oft die weltweit größten Containerschiffe an, bis zu 400 Meter lang und 60 Meter breit; die größten davon fassen bis zu 24.000 Seecontainer. Jährlich werden davon etwa 5,5 Mio. in Bremerhaven auf die Schiffe verladen.

Am Ufer stapeln sich Berge von Containern, zwischen denen wie Ameisen Containertransporter wuseln, alles überragt von Kränen, die sortieren und unzählige Container auf Schiffe schichten. Staunend betrachtet man die Szenerie und wundert sich über das „know how“, das erforderlich ist, um die Container schließlich zum richtigen Ziel zu bringen.

Im Hintergrund sind die Trockendocks der Lloyd Werft zu sehen; hier liegen zwei Schiffe von AIDA, die gerade überarbeitet werden. Begleitet von zwei Schleppern geht es hinaus aus der Wesermündung, vorbei an den letzten Leuchtfeuern.

Selten werden auf Kreuzfahrten Häfen in Dänemark angelaufen, sieht man von Kopenhagen als einem der wichtigen Ziele vor allem bei Ostseerouten einmal ab. Unser erstes Ziel ist der größte Nordseehafen Dänemarks, Esbjerg.

Die vier an der Küste stehenden weißen Skulpturen, das neun Meter hohe Monument namens „Der Mensch am Meer“, die überall als Wahrzeichen von Esbjerg beschrieben werden, nehmen wir vom Schiff aus kaum wahr – weit mehr dominieren die Ölplattformen, die hier in den Werften gebaut und überarbeitet werden. Von einem alten Stadtzentrum ist vom Schiff aus wenig zu sehen, nur der alte Wasserturm aus dem 19. Jahrhundert ragt etwas heraus; es sieht alles mehr nach einer modernen Einkaufsstadt aus.

Bei Ankunft spielt vor dem Schiff eine dänische Rentnerband schmissige Lieder; wir wagen ein Tänzchen, freuen uns mit den Musikanten und starten hinüber zum Anleger der Fähre nach Fanø.

Im Hafen fallen vor allem die knallroten Schiffe von Esvagt auf, die hier anscheinend ausgestattet und gewartet werden – unterschiedlichst ausgestattete, sehr nach Sicherheit aussehende Boote für Rettungszwecke und Offshoredienste, so wie es aussieht selbst unter schwierigsten Wetterbedingungen.

Auf dem Hafengelände gleich beim Schiff sind Stahlröhren zur Verschiffung gelagert, die bedingt durch Aufschichtung, Farbmarkierungen und Stahlglanz wie eine Installation moderner Kunst anmuten.

Unser Interesse gilt aber der vor Esbjerg liegenden Insel Fanø, eine ziemlich flache, sandige Insel, auf der sich viele der für diese Region typischen traditionell gebauten Häuser mit den Reetdächern befinden.

Die Fähre zur Insel ist hoch gebaut; oben steht man wie auf einer Aussichtsplattform, kann auf der einen Seite einen Teil der Stadt überblicken, auf der anderen einen ziemlichen Teil der Insel, die flach im Wasser liegt.

Fast direkt werden wir angesprochen – es ist der Akkordeonspieler aus der Rentnerband, und wir erfahren so allerhand über die Insel und ihre Bewohner. Vor allem, dass sie schon immer ihren eigenen Lebensstil gepflegt hätten und sich der Kontrolle vom Festland aus entzogen hätten. Beispiel seien die Reetdächer, die wegen Feuergefahr schon im vergangenen Jahrhundert verboten gewesen seien – aber das Baumaterial sei praktisch und gut und auf der Insel vorhanden, also warum nicht verwenden – dann doch lieber die Kontrolleure aussperren …

Angekommen mit der Fähre auf der Insel, im kleinen Ort Nordby. Eigentlich war die Idee, mit dem Inselbus eine Runde zu fahren. Aber der kommt nicht. Folglich bleiben wir im kleinen Ort, und stellen später fest, dass das die richtige Entscheidung war. Kreuz und quer schlendern wir durch die kleinen Straßen und Gassen, lesen irgendwann, dass sich der Ort seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts diesbezüglich kaum gewandelt hat, sind begeistert von den schmucken Wohnhäusern, die einen mit Holzverkleidung, in dunkelrot, gelb oder weiß gestrichen, die anderen mit Ziegeln.

Die Dächer sind häufig mit Reet gedeckt, haben meist eine runde Dachgaube, die alles ziemlich niedlich wirken lässt – vor allem in Kombination mit den kleinen Gärten um die Häuser, umrandet mit weißen Zäunen und Hecken.

Aus den wenigen Straßen heraus wird der Blick immer wieder auf die Uferstraße, das dahinterliegende Wattenmeer oder ein Stück Strand, und auf die gegenüberliegende Stadt Esbjerg gelenkt. Irgendwann ist es dann nicht nur das Watt, sondern eine sich auf dem Watt sonnende Gruppe von Robben, die unsere Aufmerksamkeit erregt. Wo hat man sonst schon „in freier Wildbahn“ direkt diese Tiere so nah vor sich?

Das kleine Dorfmuseum zeigt sich sehr speziell, befindet sich in einem alten Reetdachhaus, in dem einst Seeleute wohnten, Stehhöhe in den Wohnräumen etwa meine Größe, allerdings ohne Kopf gerechnet. Also heißt es aufpassen, damit der Kopf bei all den noch tiefer liegenden Balken keinen Anlass bekommt, ungewöhnliche Ausformungen und Farbgebungen auszubilden. Die Dame, die uns ein paar Dinge erklärt, scheint aus dem Dorf zu stammen – und so wie es sich anhört ist es einfach Dorfgeschichte, die hier vorgestellt wird. Insgesamt scheint die Insel vor Selbstbewußtsein geradezu zu strotzen, wie schon aus den Erzählungen des Akkordeonspielers herauszuhören war – aber irgendwie ist das auch verständlich. Schließlich haben die Inselbewohner die Insel Mitte des 18. Jahrhunderts dem dänischen König abgekauft und untereinander verteilt.

Das Museumsgebäude wurde von den letzten Bewohnern des Hauses dem Dorf als Museum vermacht, die Ausstattung stammt noch weitgehend von ihnen, dazu all das gekommen, was im Dorf zusammengetragen wurde. Die Räume sind relativ klein, an den Wohnbereich schließen sich Stallungen und Scheuer an – die Bewohner lebten vom Fischfang und von der Seefahrt, wie so ziemlich alle auf der sandigen Insel, und für den Eigenbedarf gab es eine begrenzte Viehhaltung.

Die Infoseiten, die man in die Hand gedrückt bekommt, erzählen von der Familie, die hier gewohnt hat, zunächst noch mit Segelschiffen unterwegs war, dann mit Dampfern. Berichtet wird vom Alltagsleben, von den sogenannten Besuchs-Ehen, da die Männer oft nicht nur monatelang, sondern gar jahrelang auf See unterwegs waren, auch von der Gesellschaft der Witwen, genau geregelt, da ja meist nicht nachvollzogen werden konnte, nach wie langer Zeit, wann und wo die Männer abblieben. Mit Trachten wurde für alle erkennbar gezeigt, ob eine Frau unverheiratet, verheiratet, verwitwet oder vielleicht auch verwitwet „im Wartezustand“ war – gewartet werden musste drei Jahre, bis ein nicht wiedergekommener Mann für tot erklärt werden und die Frau das Erbe antreten konnte.

Verschiedenste Trachten sehen wir gleich nachher, ein paar Häuser weiter, in einem anderen kleinen Museum; man ist erstaunt, wie vielfältig diese in den verschiedenen Orten der kleinen Insel doch ausgeprägt waren.

Erstaunlich, was hier in dem kleinen Museum noch alles an Seefahrerutensilien und an Reisetrophäen aus vergangenen Jahrhunderten zusammengetragen worden ist – ein „Pindekompass„, wie immer der auch funktionieren mag, Ausweise und alte Seekarten, ebenso wie Straußeneier, ein Krokodilschädel, Schwertfisch-Schwerter, eingelegte Schlangen und Skorpione, eine Nuss der Coco de Mer, die Seychellen-Kokosnuss, getrocknete Fischmäuler, eben alles, was als Mitbringsel Aufmerksamkeit bringen konnte, und natürlich auch allerhand Alltagsgegenstände aus dem Leben der Seeleute.

Weiter geht es auf unserem Spaziergang durch die idyllische Dorfstraße, vorbei an kleinen Cafès, wo wir natürlich auch eine Pause eingelegt haben, dabei ein leckeres, aber eigentlich viel zu süßes, fast schon klebriges Eis gegessen haben. In einem der Reetdachhäuser ist eine Glasbläserei, die Glaspusteri, in der gerade Vasen entstehen; kunstvoll, all die Produkte, die hier zu sehen sind, und vor allem sehr farbenfroh.

Auf der idyllischen Hauptstraße geht es zurück zur Fähre, mit dieser rüber zum Festland, im Blick zurück noch etwas Sandstrand, dann zur MS Deutschland. Die Fahrt wird weitergehen, über den Skagerrak hinüber nach Norwegen, zum Flekkefjord.

Tipps für alle, die sich weiter informieren wollen:
Phoenixreisen und die MS Deutschland
– Bericht über die MS Deutschland
– Sehenswürdigkeiten auf der Insel Fanø
– die Stadt Esbjerg
– Infos über die Fähre zur Insel Fanø
– Zeitgeschichte im Dorfmuseum auf der Insel Fanø
– das Trachtenmuseum auf der Insel Fanø
– Kunst in der Glasbläserei auf Fanø

(#Dänemark, #Insel, #Handwerk, #Museum, #Nordsee)

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