Hanoi – Genuss, Alltagsleben und ein Frauenkloster

Lebensstil und Lebensqualität

Vietnam- und Kambodscha-Reise,
Bericht 6

Kreuz und quer geht es weiter durch die Stadt. Wirklich weit sind wir noch nicht gekommen. Es gab einfach zu viele Seitenwege und viel zu viel zu entdecken – da es dem Abend zu geht, viel Essbares überall entlang der Straßen, fertig zubereitet und gleich vor Ort verspeist oder zum Mitnehmen nach Hause.

Direkt beim Markt führt eine schmale Seitenstraße durch das Häusergewirr, links und rechts mit vielen kleinen Garküchen, von denen unterschiedlichste Speisen angeboten werden. Es wird gedämpft, geraten und frittiert; überall duftet es verführerisch. Vieles, was da angeboten wird, sieht ungewohnt, aber lecker aus.

Hanoi - Markt Garküche-6

Es wird sehr sorgfältig gekocht, das Zubereiten fast zelebriert. Egal ob Zutaten vermischt, Salate aufs Essgeschirr gelegt, Frühlingsrollen gefüllt, Teigklümpchen im heißen Fett frittiert, Fleisch oder Fisch ins kochende Wasser gegeben werden – man merkt, dass diejenigen, die da kochen, Freude haben an dem was sie tun, und auf jeden Fall etwas Leckeres zubereiten wollen.

Los geht es mit gekochten fast winzigen Taschenkrebsen, bei denen man sich die Frage stellt, was daran essbar sein soll. Ein paar Schritte weiter gibt es in Bananenblättern gedämpften Reis, der sicherlich mit Bohnenpaste oder Fleischzubereitungen gefüllt ist. Zwischen den Ständen sitzt eine Frau, die irgendein Getränk anbietet, in dem irgendwelche schwarze Glibberwürfelchen und weiße Bohnen schwimmen. Wird Obst verkauft sieht man neben Zitrusfrüchten oft Cherimoyas, Litschis und Pitahayas, die Drachenfrucht – wir kaufen uns eine kleine Auswahl, um alles im Hotel zu verspeisen.

An einem anderen Stand werden Shrimps komplett mit allem drum und dran in einen Teig getaucht und wie Fladen oder Reibekuchen knusprig frittiert. So geht es fast endlos weiter. Dann ein Stand mit Gebratenem und Gegrilltem, ob Fisch oder Schweinefüße, dazu Gemüse.

Etwas weiter gibt es Nudelsuppe in allen möglichen Variationen. Was an einem weiteren Stand zu sehen ist, schaut eher vegetarisch aus – viel Gemüse und Reis und Tofustücke, die gut gewürzt in eine Pfanne wandern. Eine Dame bietet Nachtisch an, eingelegte Früchte, gesüßte Bohnen, bunte Soßen, glibberige grüne Reisnudeln und mehr.

Zwischen all den Ständen in den kleinen Straßen, an denen Essen zubereitet und verkauft wird, stehen immer wieder Tische und Stühle – kleine Plätzchen, an denen gegessen werden kann, und die so rege wie die Unterhaltungen da laufen auch gerne als Treffpunkt genommen werden.

Hanoi - Markt Garküche-5

Nachdem wir ein paar mal mit freundlicher Mimik und einladender Gestik aufgefordert wurden, etwas zu essen, stellte sich dann doch die „Genießerlust“ ein, und schließlich haben wir an einem der Stände einige frittierte Teile probiert. Gemüse war sicherlich dabei, irgendwas drumherum, auch irgend etwas fischiges im Geschmack – aber was immer das war, was wir gegessen haben, wird wohl ein Geheimnis bleiben.

Eigentlich sind wir müde, wollen umkehren, und entdecken dann eher zufällig noch den Eingang zu einem kleinen buddhistischen Tempel, eingeklemmt zwischen die Wohnhäuser.

Eine Bhikkuni lädt uns freundlich ein, uns umzuschauen – eigentlich ist es „nur“ eine Wohnstätte mit kleiner Tempelanlage. Was eine Bhikkuni ist, weiss ich auch erst seither – buddhistische Mönche sind bekanntlich nicht nur Männer, und somit gibt es auch Frauenklöster.

Wir dürfen uns umschauen, durch die Räume gehen, was uns interessiert, was aber auch etwas unbehaglich ist, schließlich sind es Privatbereiche. So schauen wir uns eher schnell um, sehen nicht wie sonst immer nur den sakralen Bereich, sondern auch die Wohn- und Schlafräume, und können auch einen Blick in die Küche werfen, gehen durch den Innenhof, in dem ein Strauch mit herrlich reifen Sternfrüchten steht. Irgendwo an der Wand lesen wir, dass der Tempel Chùa Cầu Đông heißt.

Auf den Dächern sitzen selbstverständlich Drachen, und von den Mauern springen uns einige plastisch herausgearbeitete Tiere an, gleich beim Eingang ein Tiger, im Buddhismus neben dem Drachen wichtigstes Tier – wir werden ihm in weiteren Tempelanlagen begegnen.

Langsam wird es immer dunkler. Bevor wir zurück zum Hotel gehen, soll aber noch eine kleine Pause eingelegt werden; zwei nette Damen haben uns einen Tipp, wo man gut sitzt und einen typischen Kaffee trinken kann. Wir setzen uns gemütlich ins Café und beobachten all das, was an der Straße vor uns vorbei kommt – ganze Kolonnen von Rikschas mit Touristen, Straßenverkäufer mit ihren Körben oder auf Fahrrädern, hupende Mopeds, Fußgänger, die sich zwischen all den Fahrzeugen durchdrängeln.

Am Straßenrand wird verkauft, aus den Körben heraus oder auch mal auf dem Fußgängerweg sitzend, oder auch mal eine Ruhepause eingelegt. An kleinsten Fleckchen wird gekocht und gegessen. Eine Frau ist mit den merkwürdigen Zitrusfrüchten unterwegs, die sich Buddha’s Finger nennen. Überall zeigt sich ein reges Alltagsleben, das so gar nicht mit unserer Vorstellungswelt einhergeht – und das uns so zeigt, was Lebensbewältigung, aber auch Lebensqualität so ausmachen kann.

Wenn man so sitzt und sich umsieht, kommen viele kleine Entdeckungen dazu, wie zum Beispiel Hühner, die auf der belebten Straße spazieren gehen und andere, anscheinend wertvollere, die in Käfigen zum Verkauf bereit stehen. Endgültig müde machen wir uns auf in Richtung Hotel. Der Zufall hilft weiter – eine Rikscha sucht noch Fahrgäste. Wir lassen uns halbwegs bequem zum Hotel fahren, genießen die Aussicht von unserem Plätzchen vorne auf dem Fahrzeug, bedauern immer wieder ein wenig unseren Fahrer, der kräftig in die Pedale treten muss, um uns beide durch den wilden Straßenverkehr zum Hotel zu bringen.

Kleine Pause im Hotel, vor dem Abendprogramm. Es ist noch ein Abendessen in einem Restaurant geplant, in dem Vietnamesen gerne Buffet essen gehen, in einem Vergnügungspark. Ein weiteres Erlebnis – und ein wenig über das nächtliche Leben und vor allem über dieses Buffet wird es im nächsten Bericht gehen.

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