Hội An – Markt am frühen Morgen und die alte Stadt

Szenenwechsel: vom Touristenort zur Lebenswelt für Einheimische

Vietnam- und Kambodscha-Reise,
Bericht 27

Frühmorgens aufstehen haben wir uns vorgenommen, wir wollen das so – wenigstens ein mal die Stadt erleben, wenn sie nicht die Atmosphäre eines großen Touristenshops in alten Gemäuern ausstrahlt. Am Abend war ja von einer der schönsten ältesten Städte Vietnams kaum etwas zu sehen außer einem Ladengeschäft an das andere gereiht, die Straßen vor allem mit Lampions hell und bunt beleuchtet, am Fluss der große Nachtmarkt, eine wilde Mischung aus Verkaufsständen mit allem erdenklichen Kram und Streetfood.

Die ersten beiden aktiven Stunden des Tages, von morgens sechs bis acht Uhr, gehört Hội An mehr den Einheimischen. Es ist die Zeit zum Verkaufen und Einkaufen. Unser Taxi bringt uns für den atemberaubenden Preis von 52.000 Dong in die Innenstadt.

Für gerade mal knapp mehr als 2 Euro fahren wir die paar Kilometer vorbei an den ersten Straßenständen, an denen schon gefrühstückt wird, das zu allen Tages- und Nachtzeiten anscheinend wichtigste Grundnahrungsmittel, die Suppe. Jetzt um diese Uhrzeit sehen wir überall Menschen beim Suppe-Löffeln, diejenigen, die aussehen als würden sie gleich zur Arbeit gehen, und vor allem Schülerinnen und Schüler. Die Schule scheint sehr früh zu beginnen – schon kurz nach sechs Uhr Kinder sind auf dem Schulhof beim Sport.

Die kleinen Straßen rundum haben sich im Vergleich zum vorhergehenden Abend völlig verändert. Anstelle der bunten überbordenden Verkaufsauslagen und den um Gäste werbenden Restaurants sind jetzt zu den Häusern passende, geschlossene hölzerne Tore und Fensterläden zu sehen.

Man sieht tatsächlich die kleinen, zum Teil sehr alten Gebäude mit ihren kräftig geschwungenen, manchmal mit Mustern versehenen Dachziegeln; auf den Dachfirsten oder entlang der Traufe sind oft Drachenfiguren oder andere Symbole oder Figuren angebracht, über den Türen Zeichen, mit denen Geister abgewehrt werden sollen.

Ziemlich mitten im Zentrum, ganz in der Nähe des Zentralmarktes, ist unsere Taxifahrt zu Ende. Es geht zu Fuß weiter, was zwischen all den Marktständen, die hier aufgebaut werden, kaum anders möglich wäre. Tische werden aufgestellt, Tücher ausgebreitet. Salate, Gemüse und Obst werden geputzt, sortiert und schön präsentiert.

Wir staunen über die kreativen Aufbauten an Mopeds und die Anhänger, mit denen angeliefert wird – alle sind so gebaut, dass möglichst viel transportiert werden kann. Vor einem der Tempel wird noch die Straße gereinigt.

Überall auf den Straßen der Innenstadt herrscht geschäftiges Treiben. An einigen Ständen wird schon verkauft, andere Stände werden noch aufgebaut, allerlei Grünzeug oder Obst mit dem Fahrrad oder Moped angeliefert. Es sieht nach sehr vielen kleinen Erzeugern aus; in dem Bereich, in dem wir ankommen, gibt es eine unglaubliche Vielfalt von all dem, was in Hausgärten geerntet werden kann.

Alles, was zu sehen ist, sieht richtig frisch und lecker aus. Schon beim Blattgemüse zeigt sich eine unglaubliche Vielfalt, gut sortiert nach Sorten, sicherlich auch unterschiedlichem Geschmack, für die Einkaufenden wichtig, und für uns sind es nur verschiedene Blattformen.

Es gibt Maniok und Tapiokawurzeln, verschieden farbigen Mais, Gurken und Sauergewächse, Karotten oder auch die merkwürdig ausschauenden kleinen runden Pilze.

Gemüse wird zurecht gezupft, Wurzeln werden geschält, Mais wird entblättert, Chili-Schoten werden geschnippelt, und Reis wird kunstvoll in Bananenblätter verpackt. So richtig sortiert sind die Marktbereiche nicht – und so findet sich zwischen all dem Gemüse auch mal eine Verkäuferin mit Krabben und Shrimps, oder ein Stand mit frisch geschlachteten Hühnern.

Selten sieht man so viele Bananensorten, und diese auch noch in unterschiedlichen Reifegraden. Dasselbe gilt für die Kokosnüsse – verschiedene Sorten, von relativ unreif und grasgrün bis goldgelb, für jeden Bedarf, zum Trinken, für den glasigen Glibber für verschiedene Speisen, oder relativ trocken, wie man das Fruchtfleisch eher bei uns kennt. Viele der riesigen Nüsse hängen noch im Bündel an Zweigen, wie sie gewachsen sind, andere stecken in den getrockneten Fasern, die meist zu Brennmaterial werden. Reihenweise sieht man reif geerntetes, frisches Obst – die Auswahl ist einfach beeindruckend. Einige Anbieter haben eine bunte Auswahl, andere sind eher spezialisiert auf Mangos, Bananen, Ananas oder Zitrusfrüchte. Orangen sind hier nicht orange, sondern auch tiefgrün oder gefleckt; Pomelos werden hellgrün angeboten, nicht gelb – aber allesamt sind sie reif.

Uns fällt natürlich all dasjenige besonders auf, das bei uns seltener zu sehen ist, und vor allem nicht reif und in der Frische, die hier zu sehen ist – Drachenfrüchte, Litschis, Kimanos, Cherimoyas, Karambole, Papayas, Maracujas, Tamarillos, Guaven, Jackfruits, Longans, Rambutan, Mangostane, der Rosenapfel, der gar kein Apfel ist, oder die Buddhas Finger genannte, ziemlich zerfleddert aussehende Zitrusfrucht, und noch viel mehr. Und auch die „Stinkefrucht“ darf nicht fehlen, die stachelige Durian. Man kommt sich fast vor wie in einem anschaulich präsentierten Lehrbuch für Früchte, die wir gerne als exotisch bezeichnen.

Dazwischen ist immer wieder einmal auch ein Stand mit den Bethelnüssen zu sehen; meist sind es ältere Leute, die diese verkaufen, mit knallrotem Mund, ebenso roten Zähnen, oder häufig dunkelbraun gefärbten Restzähnen, sofern überhaupt noch welche da sind, also typisch für diejenigen, die diese Nüsse nutzen.

Auf dem Weg probieren wir an einem Straßenstand frisch gebackene Banane, die zu einer Art Fladenkuchen verarbeitet wurde, eher salzig, etwas süß durch die Banane selbst.

Zwischendrin gibt es auch den einen oder anderen Stand mit Fischen, Tintenfischen, allen erdenklichen Größenordnungen von Shrimps, die am Stand noch sortiert werden, oder auch Körbe mit den kleinen Jungfischlarven. Die Shrimps sind allesamt so frisch, dass sie auf den Auslagekörben hüpfen, manchmal auch raushüpfen. Verkauft wird von Jung und Alt. Vom Fluss aus oder mit dem Moped wird Ware nachgeliefert.

Und in einer der Markthallen, die man eher als Streetfood-Halle bezeichnen sollte, da sie „nur“ über und über mit Mini-Ess-Ständen gefüllt ist, genehmigen wir uns noch eine Frühstücks-Suppe mit Ente. Nicht schlecht, gut gewürzt, die Brühe wie immer etwas glibberig, mehr gewöhnungsbedürftiger eher die darin schwimmenden Entenstücke – die Ente wie immer mit Knochen kleingehackt und reingeworfen, für die Köchin einfach, für den die Suppe essenden Europäer eine kleine Herausforderung, ebenso wie die dunkelbraunen Brocken in der Suppe, die so eine Art Blutwurst zu sein scheinen.

Nebenan im Eingangsbereich zur Fleischhalle wird noch eine bunte Mischung angeboten – Hühner, Enten, Gänse, dazwischen Innereinen von kleineren und größeren Tieren, dazwischen auch mal Fisch. Aber dann folgt ein großer Bereich, in dem vor allem große Schweinestücke in haushaltsgroße Portionen zerlegt und nach Wünschen der Einkaufenden fein säuberlich zurechtgeschnitten und für Pfanne oder Kochtopf vorbereitet werden.

In der Halle, in der es trotz der vielen Glühbirnen erstaunlich finster ist, schwebt der Geruch von frisch geschlachtetem Fleisch. Auffallend: Fast die ganze Arbeit wird von Frauen erledigt – bei uns findet man in diesem Arbeitsbereich meist die Männer.

An einigen der Ständen wird Hackfleisch von Hand gehackt, bei den einen anscheinend unterschiedlich gewürzt und zu kleinen Klößen geformt, bei den anderen so etwas ähnliches wie Fleischkäse produziert, der in Vietnam als Suppeneinlage verwendet wird, wie wir in der Ess-Halle schon gesehen hatten.

Die Fleischkäse-Brocken sind schon gegart. Wir kaufen uns ein kleines Stück zum probieren. Schmeckt wie Wurst, ähnlich unserem Fleischkäse, ist aber ungleich schärfer.

Die Zeit rennt davon. Wir müssen uns schon wieder auf den Rückweg machen. Es geht vorbei an Ständen, die entlang des Ufers stehen. Der Boden ist überall nass, wir umrunden große Pfützen – und so gelangen wir zum Fischmarkt.

Später erfahren wir, dass der moderne Fischmarkt, der Umschlagplatz für alles ist, was in der Region gefangen wird, mittlerweile ziemlich weit außerhalb von Hội An liegt.

Hier in der Stadt ist es mehr das kleinere Angebot für den täglichen Bedarf, angeliefert mit traditionellen Fischerbooten. Vorbei geht es an den ersten Ständen, an denen Taschenkrebse sehr kunstvoll verschnürt, damit sie sich nicht auf Abwege begeben, verkauft werden.

Verschiedenste Tintenfische werden angeboten; wer möchte, dem werden diese nach Kauf fein säuberlich küchenfertig geputzt und zugeschnitten. Viele Thunfisch-Arten sind zu sehen; die kleinen Bonitos werden meist in Scheiben verkauft. Ansonsten ist es eine nicht nur vielfältige, sondern auch eine wirklich bunte Auswahl verschiedenster Fische, auffallend darunter die Rochen, die wie große Fladen herumliegen.

Hinten in der Ecke befindet sich der Dreh- und Angelpunkt für alles, was gekühlt werden soll – der Eishändler.

Lange Eisblöcke werden kleingehackt und geschreddert und an die Fischhändler verkauft.

Neben Fischen und Shrimps und Krabben zeigt sich in Körben und Schüsseln zwischendurch auch manch merkwürdiges Getier, darunter schlangenähnliche Meeresbewohner – Aale sind es nicht, sehen aber so ähnlich aus. Manche Krabbeltiere, die da zum Essen angeboten werden, sehen aus wie große Asseln, andere wie überdimensionale Tausendfüßler, und manchen scheinen aus der Familie der Skorpione zu kommen …

Eine Straße führt vor zum Fluss. Hier wird weiter für den Markt angeliefert. Ein Fischer-Paar sammelt die letzten Fische aus dem Netz. Etwas weiter stehen die bunten Ausflugsboote, die am Vorabend zwischen Lampions und Schwimmkerzen und den kleinen Booten für die Pärchen auf dem Fluss unterwegs waren.

Vorbei an Fischerbooten, die zum Teil noch entladen werden geht es weiter auf den Rückweg, nochmals durch einen Marktbereich hindurch. Hier gibt es noch einmal einfach alles – das kleine Essen für Zwischendurch, aber vor allem Geflügel und Gemüse.

Ungewöhnlich anzusehen sind diese Stände mit dem „gerupften Federvieh“ – die einen ziemlich komplett, auf dem Rücken liegend, die anderen fein säuberlich zerlegt, für die Verwertung von fast allem, einschließlich der Hühner- oder Entenfüße. Was da liegt, ist höchst sorgfältig hergerichtet. Alles ist so präsentiert, dass direkt ersichtlich ist, dass es frisch ist, ob komplett oder zerlegt. Bei den frisch geschlachteten Hühnern und auch den Enten wird darauf acht gegeben, dass immer noch alle Merkmale dran sind, die auf Frische hinweisen, ob Füße oder Köpfe mit den Kämmen. Ob Huhn oder Hahn, Ente oder Erpel, auch das soll erkennbar sein. Oft sind die Tiere aufgeschichtet wie skurril aussehende Kunstwerke, die die Beine in eine Richtung strecken, meist himmelwärts.

Es gibt Wachteleier und Hühnereier, und letztere nicht nur so, wie man sie bei uns kennt, sondern auch ummantelt mit Ton, mit Kräutern oder schwarz wie mit einer Kohleschicht; wird eines dieser Eier offen präsentiert, sieht man als glasig-dunklen Glibber, was einmal das Eiweiß war, und den grün-gelben Dotter.

Vorbei geht es dann an Obst und Gemüse, und noch an ein paar Ständen, die Tofu in allen erdenklichen Varianten anbieten, ob den mehr geleeartigen Seidentofu oder die etwas grobere Version, der Farbe nach in unterschiedlichen Reifegraden oder auch geräuchert. Verschiedene Pilze liegen in Körben oder in einer Lake.

Entlang einer ganzen Marktstraße gibt es unterschiedlichste Varianten an Nudeln – eine ganze Straße lang Händler und vor allem Produzenten, die direkt am Stand Nudeln herstellten.

Hier gab es noch ein nettes kleines Erlebnis. Frage an eine Vietnamesin, die gerade Nudeln produzierte, ob man sie fotografieren dürfe; großes Desinteresse ihrerseits. Aber wir durften doch ein Bild machen.

Zu ihrer Nachbarin merkte sie an, soweit wir das mitbekommen haben, dass sie am Abend eine reiche Frau wäre, wenn sie von jedem, der sie fotografieren würde, einen Dollar bekommen würde. Wir gaben ihr einen Dollar; sie höchst verwirrt, danach ziemlich erfreut. Überraschung gelungen …

Es ist an der Zeit, mit dem Taxi zurück zum Hotel zu fahren – um nach einer kurzen Pause zur nächsten Runde mit der Gruppe zu starten.

Verspätetes Frühstück ist angesagt, auf der Terrasse unseres Hotels. Und danach geht es noch einmal mitten hinein in das alte Hội An. Dazu mehr im nächsten Bericht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s