Hội An – Seidenraupen und Lampions

Goldglänzende Kokons und Raupen in Maulbeerblättern

Vietnam- und Kambodscha-Reise,
Bericht 28

Seidenraupen, Altstadt mit Marktgeschehen, Japanische Brücke, Tempel – es erwartet uns ein dichtes Programm für den Rest des Tages. Los gehen soll es mit einer Lampion-Produktion, sagt unser vietnamesischer Reiseleiter. Begrenzte Begeisterung, zumindest bei uns, klingt das doch so ein wenig nach einer Verkaufsveranstaltung. Aber wer weiss …

Zu Fuß geht es durch ein Vorstadtviertel, den Häusern nach sicherlich eines der wohlhabenderen. An der Straße liegt auch ein Kindergarten; dort freuen sich einige Kinder noch über die vorbeikommenden „Langnasen“.

Bei der Firma angekommen sind wir angenehm überrascht – es ist tatsächlich eine Produktionsstätte, auch für Lampions, aber weit mehr für Seide und Seidenstoffe. Es wird auch verkauft, aber weit interessanter ist es, dass tatsächlich die Produktion besichtigt werden kann. Der Schwerpunkt liegt auf der Seide; die Lampions sind eher eine Nebensächlichkeit. Ein Mann, der Staken zusammensteckt; eine Frau, die bunte Stoffbahnen darauf aufklebt – und an der Decke hängend unzählige Lampions in allen Farben, Formen und Größen.

Weit interessanter ist dagegen die Präsentation zur Seidenherstellung. Gleich beim Eingang in die Produktionshalle steht ein großer Korb mit kleinen 10-tägigen Seidenspinnerraupen, die auf Maulbeerblättern herumwuseln – etwas anderes als Maulbeerblätter verspeisen diese Raupen nicht.

Tatsächlich wird uns ein kompletter Ablauf gezeigt, von der kleinen Raupe bis zur Verarbeitung der Seidenfäden. Auf Maulbeerblättern, die auf einer Zeitung ausgelegt sind, krabbeln viele ziemlich kleine Raupen.

Eine Arbeiterin führt vor, wie die Spinnen nach Größe absortiert werden, von einem Korb in den nächsten – bis zu der Größe, die beginnt, die gewünschten Kokons zu spinnen. Diese Raupen sind nun 22 Tage alt und werden von ihren ziemlich abgefressenen Maulbeerblättern abgesammelt und auf ein Bambusgitter umgesetzt. Hier fangen sie an, zu spinnen, so lange, bis schöne runde, goldgelbe und manchmal auch weiße Seidenkokons entstanden sind.

Solche Gitter sind mit mehr oder weniger fertigen Gespinsten überzogen, gelb und weiß, die Seiden-Naturfarben. Auf den frisch angesetzten wuseln noch viele Raupen; je älter, desto mehr der Seidenkügelchen sind zu sehen, bis so ein Gitter schließlich aussieht wie ein besonderes Kunstwerk aus Bambusgitter, kleinen Ästen und vielen daran hängenden, mit feinsten Fäden eingehängten Knäueln. Für die Seidenproduktion werden diese benötigt – die in jedem Knäuel verpuppte Raupe hat keine Chance, zum Schmetterling zu werden. Die Kokons werden rechtzeitig abgesammelt, die Raupe in heißem Wasser getötet. Von jedem dieser kleinen Kokons kann dann sorgfältig ein 500 bis 1000 Meter langer feinster Seidenfaden abgezogen werden, der dann verwebt wird, gegebenenfalls gefärbt.

Raupen, die für die nächste Seidenspinner-Generation benötigt werden, kommen in besondere Räumlichkeiten, die wir leider nicht sehen können – hier entwickeln sie sich zum Schmetterling, zerstören allerdings beim Schlüpfen den Kokon.

Produziert wird bei diesem Anbieter aus der Seide allerhand, nicht nur Bekleidung, von der Stange oder maßgeschneidert; es gibt fast in Massenproduktion gestickte Seidenbilder, aber auch individuelle Anfertigungen nach Fotovorlagen. Und da es um Verkauf geht, gibt es auch günstigere bestickte Baumwolltücher, kleine Tischdecken, geschnitzte Holztäfelchen für die Wand und viel mehr …

Verabschiedet wurden wir allerdings mit etwas enttäuschten Gesichtern bei denjenigen, die uns durch die Produktion führten und uns nun ziemlich zackig verabschiedeten – husch, husch und durch, weil wir nur ein paar Kleinigkeiten mitnahmen, und kein sonderliches Interesse an einem Großeinkauf signalisierten.

Für uns geht es weiter durch die Stadt, vorbei an einigen alten Gebäuden. Über den Stadtspaziergang und ein spezielles Essen in der Markthalle berichten wir das nächste Mal.

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