Hội An – Altstadt und ein Platschregen

Alte Häuser, nasse Füße, Shopping und leckeres Essen

Vietnam- und Kambodscha-Reise,
Bericht 29

Für uns geht es weiter durch Hội An, vorbei an einigen alten Gebäuden. Von unserem Reiseleiter hören wir, dass Hội An im Vietnamkrieg ziemlich stark zerstört worden sei, von der Altstadt nur noch wenig erhalten war, aber die alten Häuser mit Unterstützung der UNESCO wieder aufgebaut wurden. Jetzt sei die Zeit, in der viele davenoviert werden müssten; vor allem die Dächer seien neu zu machen – einige stehen allerdings noch wie in vergangenen Zeiten.

Viele der alten Häuser haben noch den Charme der Vergangenheit, sind tatsächlich mit Stuck und Schnörkeln erhalten, haben Stil und Patina. Im vorbeigehen hoffen wir, dass nicht alle Gebäude so schrecklich stillos modernisiert werden wie die gesichtslosen Ergebnisse, die uns mit ein wenig Stolz als beispielhaft gezeigt wurden. Einhergehend mit den sogenannten Touristenattraktionen wäre es dann um die alte Stadt endgültig geschehen.

Immer wieder begeistern uns die Versorgungsleitungen über den Straßen und auf den Fußgängerwegen, immer ein recht kreatives Kabelgewirr, oft direkt an Trafostationen am Straßenrand und mit Kabelenden, die einfach auch mal ziellos von den Masten hängen – aber alles scheint wie gewünscht zu funktionieren.

Irgendwie scheinen wir in der Zeit angekommen zu sein, in der die touristischen Angebote wieder die Oberhand gewinnen. Bei all dem Rummel, der sich langsam aufbaut, gerät die alte Stadt wieder ins Hintertreffen. Die Geschäfte sind geöffnet – und man merkt bei jedem Schritt, dass man mitten in der Welt des Tourismus angekommen ist, nicht nur an den vielen Shops mit Standardwaren, sondern auch an all den vielen Verkäuferinnen und Verkäufern, von denen man alle paar Minuten angesprochen wird.

Ein paar Knabbernüsse, ein gebackenes Teilchen, ein Plastik-Flatter-Vogel, ein rasender blinkender Kreisel, Tiger-Balsam, eine Ledertasche, irgendwelche Keramikprodukte, und was alles mehr – und dazu noch diejenigen, die sich als Wegweiser zu irgendeinem Laden aufstellen.

Es wird verkauft; in kleinen Werkstätten werden Gegenstände hergestellt und verziert. Für uns ist Kaffeepause angesagt, in einer Kaffeebar mitten im Quartier.

Rundum ist allerhand zu beobachten, ob im Lederwarengeschäft gegenüber oder bei den Straßenverkäufern. Essen wird ausgefahren oder entlang der Straße verkauft. Auf Treppen posieren chinesische Paare für Urlaubsfotos. An den Straßenecken warten Rikschas auf Fahrgäste.

Als Westeuropäer kommt man kaum auf die Idee, dass die Japanische Brücke aus dem 16. Jahrhundert, an der wir wie am Abend zuvor wieder vorbeikommen, nicht nur von einem Stadtviertel ins andere führt, sondern tatsächlich zwei historisch gewachsene Stadtviertel verbindet, auf der einen Seite das Japanische Viertel, auf der anderen Seite das Chinesische Viertel. Heute noch leben diejenigen japanischer Herkunft auf der einen, diejenigen chinesischer Herkunft auf der anderen Seite – was sich auch im Baustil der Gebäude zeigt.

Ist einmal ein Blick in eines der Häuser hinein möglich zeigt sich, dass die zur Straße hin ziemlich schmalen Bauwerke ziemlich weit nach hinten führen, nach den vorderen Räumen einen Innenhof haben, der zugleich auch Lichthof ist. Eines der Häuser ist zu besichtigen, vorne drinnen ist eine alte Apotheke – das zurecht schnippeln der Eintrittskarten scheint eine ziemlich ermüdende Tätigkeit zu sein …

An einer Straßenecke bietet eine ältere Dame einige kleine vietnamesische „Snacks“ an; rundum stehen jüngere Leute, die alle eine kleine Tüte mit Shrimpsravioli und anderem in der Hand haben. Ich bekomme ein paar davon zum probieren.

In diesem Stadtviertel direkt am Fluss fallen auch die vielen Hochzeitspaare auf, die sich festlich gekleidet zum Fototermin eingefunden haben.

Schnell wird noch ein Tempel angeschaut, derjenige für die Göttin des Meeres, Thien Hau, die Schutz vor Stürmen bietet und Seeleuten in Not hilft. Eigentlich war es einmal eine Versammlungshalle der Fujian-Chinesen, die seit Jahrhunderten in Hoi-An leben, ein Treffpunkt und Handelsplatz, der später in einen Tempel für die Göttin umgewandelt wurde.

Der Weg führt uns nochmals zum Markt, der inzwischen weit weniger auf die Einheimischen ausgerichtet ist, sondern weit mehr auf die herumschlendernden Touristen. Die vielen Obst- und Gemüsestände sind ebenso wie die Fisch- und Fleischauslagen weitgehend verschwunden. Im zentralen Bereich der Markthalle wird gekocht, verkauft und gegessen.

An den Ständen wird jeder offensiv angesprochen, dass er doch hier essen solle. An den Wänden sind Tafeln mit den Speisekarten aufgehängt, in verschiedensten Sprachen, und auf den Tischen liegen Speisekarten mit Abbildungen, was es alles gibt.

Zwischendrin ist ein Stand, an dem einige Einheimische essen – für uns Anlass, ein paar der gefüllten Teigtaschen, die in der Auslage stehen, zu probieren. Für unseren Geschmack nicht sonderlich begeisternd – Reispapier mit Shrimps-Schnippel oder ein wenig Fleisch, in süßlich-scharfer Soße und in Bananenblättern gedämpfter Reis.

Frauen mit den am Tragebalken hängenden Körben haben weniger den Verkauf des im Korb schön dekorierten bunten Obstes im Sinn, sondern sind mehr interessiert, dass sie gegen Bezahlung eines Dollars fotografiert werden. Möchte man sich noch etwas Obst kaufen, soll man die Preise für die „Langnasen“ bezahlen – völlig unrealistisch überhöht.

Mittagszeit – unser vietnamesischer Reiseleiter hat für uns alle ein Mittagessen geplant. Aus heiterem Himmel gibt es plötzlich einen Platschregen, als wären wir noch mitten in der Regenzeit.

Zum Glück sind wir noch an der Markthalle, können uns unterstellen und haben ein Dach über dem Kopf – und sogar einen hervorragenden Aussichtsplatz, um das Geschehen rundum im Regen zu beobachten.

Längeres Warten. Um uns herum werden Verkaufsstände umgebaut, Fahrrad- und Mopedfahrer vermummen sich. Irgendwann entschließen wir uns auch, ein paar Plastik-Regenumhänge zu kaufen – schließlich wollen wir endlich hinsitzen und zu Mittag essen.

Das genießen wir mitten im Viertel, und interessanterweise erhalten wir tatsächlich in Zusammenstellung und Würze kein typisches Touristenmenü – ob Pilz-Tofu-Suppe, Reiskruste mit leckerer Gemüseauflage, Wasserspinat mit irgendetwas Geröstetem und viel Knoblauch, geschmortes Hühnchen mit Zwiebeln, Ingwer, Tomaten und einigem anderen, gegrillter Fisch in würzig-brauner Sauce oder Bananenblütensalat.

Nach dem Regen schaut die Stadt wie frisch gewaschen aus. Vor allem die Gelbtöne der Häuser sind ziemlich intensiv geworden. Nach einem Tag mit vielen Erlebnissen, vom morgendlichen Markt bis zum großen Regenschauer, machen wir uns auf den Weg zum Hotel.

Wir sind zurück am Hotel. Es ist Zeit, auszuruhen. Wieder ist es schönstes Wetter und wir genießen die Zeit auf unserer Terrasse.

Am nächsten Tag wird uns ein Regionalflug nach Ho Chi Minh-Stadt bringen, in die Stadt, die lange Zeit Hauptstadt Südvietnams war, und heute von der Bevölkerung immer noch Saigon genannt wird.

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