Amsterdam – Szenewelten im Alltagsleben

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Eine Flusskreuzfahrt im Winter – Bericht 4

Es geht in Richtung Amsterdam. Während der Nacht werden noch einige Schleusen durchfahren – unsere Strecke führte quer über das Rheindelta, meist durch Kanäle, Mündungsarme des Flusses durchschneidend. Der Sonnenaufgang zeigt ein ungewöhnliches Farbenspiel, ein noch fast tiefschwarzer Himmel, am Horizont ziemlich grell erleuchtet, im Spektrum von goldgelb über rötlich bis fast zu lila Tönen, auf dem Fluss umgesetzt in bewegten Wellenmustern.

Weiterhin ist es draußen bitterkalt. Die Wiesen entlang der Kanäle sind weiß vom Frost; die Entwässerungskanäle, die es überall in Holland gibt, ebenso wie alle stehenden Gewässer haben eine Eisschicht. Trotz alledem stehen bei einigen Höfen noch die Schafe auf den Weiden. Noch mehr fallen ganze Scharen von Wildgänsen auf, die sich auf vielen Wiesen niedergelassen haben, wie ab und zu auch ein Reiher.

Ankunft in Amsterdam um die Mittagszeit. Wieder einmal in Amsterdam – was tun? Bei den letzten Aufenthalten wurden von uns neue ebenso wie altbekannte Ziele angesteuert, wie der Dappertmarkt, die portugiesische Synagoge oder das Tropenmuseum, oder Chinatown und die andere Seite der Flusses mit den ungewöhnlichen Neubauvierteln und Industriebrachen, oder auch im Jordaanviertel die Hofjes (siehe diesbezügliche Berichte). So richtig wissen wir noch nicht wohin – also beschließen wir einfach, alte und etwas neuere Erinnerungen wieder etwas aufzufrischen, und vielleicht ein paar Zufallsentdeckungen zu machen, irgendwo in dieser unglaublich chaotischen und immer interessanten Stadt.

Angelegt wird in Amsterdam leider nicht wie sonst üblich direkt beim Hauptbahnhof, sondern eine halbe Stunde Fußweg vom Stadtzentrum weg, auf Java Eiland, einer Insel in der Fluss- und Hafenlandschaft, durch eine Brücke verbunden mit dem Festland – ein zu weiter Weg bei dieser Kälte. Wir nehmen den öffentlichen Bus, ganz in der Nähe des Anlegers ist eine Haltestelle. Ganz ohne großen Plan soll es einfach durch die Stadt gehen, sehen, was so los ist.

Gleich am Eingang zur Stadt, gegenüber dem Hauptbahnhof, stehen die Türen einer Kirche offen, die bei unseren früheren Besuchen immer verschlossen war. Hineingegangen; am Eingang ist zu lesen, dass es die Nikolauskirche ist. Innen ist eine überaus prächtig und für die Entstehungszeit typisch bemalte und ausgeschmückte Kirche, gebaut im endenden 19. Jahrhundert zu sehen.

Die Altstadt zeigt sich entlang der Grachten wie schon immer als bunter Mix aus Alltagsleben, Restaurant- und Unterhaltungsquartier, Touristenszene, Coffee-Shop-Land und Rotlichtviertel. In den Chinesischen Restaurants hängen die glasierten Enten in den Fenstern; in den Frittenbuden werden nicht nur Kartoffelstücke, sondern auch Schokoriegel frittiert. Restaurants werben für Steaks, Burger und Churros. Für Alltagsbedarf sorgen „ganz normale“ Metzgereien, Bäckereien oder kleine Lebensmittelgeschäfte.

Zwischendurch dann wieder ein Antiquariat mit Comic-Heften, ein Sexshop, ein Juwelier, eine Kirche, in der Straße nebenan ein paar Damen im Fenster, rot umleuchtet, und um die Ecke ein eher edles Restaurant, daneben eine völlig heruntergekommene Bar, auch mal ein Pub, kaum unterscheidbar von dem, was in Schottland so zu finden ist. Kunst in Galerien, Graffiti an den Wänden, und unzählige Coffee-Shops, bei denen in den Schaufenstern nicht nur alles zu sehen ist, was mit Hanf zu tun hat, sondern um die herum auch nicht gerade kleine Geruchswolken stehen.

Unübersehbar sind dann die Geschäfte mit dem neuen „In“-Produkt, verschiedensten kleinen Gummi-Quietsch-Enten, in allen erdenklichen Kostümierungen. Und zwischen alledem: Unzählige Menschen, jung und alt, unterwegs, allein oder als Paar, in Paaren, als Familie mit kleinen oder größeren Kindern, oder in Gruppen, beim Spaziergang, auf dem Weg nach Hause, oder neugierig schauend, laut lärmend, Angebote nutzend, in jeglicher Hinsicht, und alle anscheinend unproblematisch in diesem Mix lebend.

Für Außenstehende ist das alles ganz nett, denn diese denken wie Besucher; aber umgehend gerät man in fast ungläubiges Staunen, wenn man sich vorstellt, dass es eben vor allem die Bewohner sind, die mit dieser Vielfalt dauerhaft, alltäglich zurecht kommen.

Nach einer ersten Runde durch die Stadt heißt es erst einmal wieder „aufwärmen“ – und so geht’s hinein in eines der chinesischen Restaurants, auf eine Wonton- und eine Pilzsuppe. Zuhause wäre man wohl kaum in ein Restaurant in einer solchen Straße gegangen, in einem solchen Gebäude, aber irgendwie machte es für uns den Eindruck als könne man hier gut essen. Drinnen ist es schön hergerichtet, und weit wichtiger, das Essen kommt aus frischen Zutaten zubereitet frisch gekocht auf den Tisch, und ist auch wirklich lecker.

All die Sehenswürdigkeiten, die wir bei den letzten Aufenthalten in Amsterdam angesteuert haben, lassen wir ja dieses Mal aus. Amsterdam ist ja eigentlich die Stadt, in der es einfach immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. Und so landen wir dieses Mal zufällig in einem kleinen alternativen Modemuseum, das sich dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben hat – so wie es den Eindruck macht, nur ein zeitbefristetes Projekt junger Leute in einem Gebäude, das auf Renovierung wartet.

Einige Objekte, viel Information, und wieder einmal die Erkenntnis, dass mit der Produktion von T-Shirts nicht nur viele Menschen ausgebeutet werden, diese zudem auch nicht nur ökologischer Unsinn sind, sondern sie zudem Menschen auch nicht unbedingt gut kleiden, sondern eher in unförmige Gestalten verkleiden.

Zufällig landen wir dann auch noch im Cafè „Zum letzten Krümel“, ein klitzekleines Cafè, mit Platz für ein paar Leute, einer schmalen Verkaufstheke, und dahinter auf Paletten aufgebaut ein Produktionstisch, auf dem Kuchen und Scones und Blätterteigteilchen und Quiches entstehen, direkt für den Verkauf. Und daran vorbei führt noch ein schmaler Weg zu einer Hintertür, die zu einer Miniterrasse mit ein paar wenigen Stühlen führt, direkt an einer Gracht. Dort sitzen wir, bei Minus 2 Grad, trinken einen heißen Cappuccino, essen einen Scone (hervorragend) und einen Pflaumenkuchen …

Quer geht es durch die Stadt, uns wird inzwischen richtig kalt, es wird auch langsam dunkel, und irgendwann entscheiden wir uns, ein Taxi zu nehmen, zurück zum Schiff.

Tipps für alle, die sich weiter informieren wollen:
Phoenixreisen und die MS Andrea
– ein Bericht über die MS Andrea
– Informationen über Amsterdam

– unsere Reiseberichte mit Infos über Amsterdam auf http://www.traumreisezeiten.de
– die Nikolauskirche
– lecker und gemütlich, das Cafè „Zum letzten Krümel“

(#Niederlande, #Amsterdam, #Flusskreuzfahrt, #Mode, #Museum)

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